Meinung | Kolumnen | GesMBH
18.04.2012

Ges.m.b.H.: Sprechstunde

Karl Hohenlohe über eine angenehme Sendung in "Servus TV".

In Servus TV saßen einander die Herren Podgorski und Steinhauer gegenüber.

Eine angenehme Sendung, ein aufregendes Format, weil es so unaufgeregt ist. Gewöhnlich streitet man im Fernsehen, Meinungen prallen aufeinander, unüberbrückbare Gegensätze werden einzementiert und die Gabe, das Argument des Diskussionsgegners als das Bessere zu akzeptieren, wird als Schwäche eingestuft.

Genau das Gegenteil ist der Fall.

Herr Steinhauer erzählte, zurzeit zöge er singend durch das Land – Cohen, Newman etc.

Dann kam er ins Schwärmen, rief sich die ersten Erinnerungen an die Musik ins Gedächtnis, Gus Backus, Bully Buhlan, aber auch den Ex-Evergreen "Ich habe noch einen Koffer in Berlin", das die alle Freitage im Hause Steinhauer tätige Zugehfrau ständig auf den Lippen trug.

"Warum nur", zermarterte sich Erwin, das Kind, jeden Freitag das Gehirn, "holt sie ihn nie ab?"

Als Herr Steinhauer diese kleine Geschichte erzählt hatte, kam Wehmut auf, aber auch Spannung, denn es war den Zuschauern völlig klar, was nun kommen musste. Steinhauer zu Podgorski: "Teddy, was ist das erste Lied, an das du dich erinnern kannst?"

Unsereins hätte Debussy vorgeschoben, Ted Herold, Steppenwolf oder Pirron und Knapp, aber Herr Podgorski hat so etwas nicht notwendig und sagte: "Stille Nacht."

Herr Steinhauer war wahnsinnig enttäuscht, aber im Gegensatz zu den herkömmlichen TV-Formaten fasste er diese Enttäuschung nicht in Worte, sondern in sein Gesicht.

Trotzdem verabschiedeten sich die beiden lachend, was ja bei den anderen Talkshows gar nicht gerne gesehen wird.

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