Meinung | Kolumnen | GesMBH
12.01.2012

Ges.m.b.H.: Saitenwechsel

Karl Hohenlohe führt die US-amerikanische Stradivari-Untersuchung ad absurdum.

Was für eine Nachricht! Unser Weltbild wankt. Amerikanische Forscher haben nun bestätigt, was amerikanische Forscher bereits 2005 herausgefunden haben: Selbst Profimusiker können im Blindtest den Klang einer Stradivari vom Klang einer Hinz oder Kunz nicht unterscheiden.

Ich will den Amerikanern nicht vertrauen, wenn es so weitergeht, wird man uns noch glauben machen, dass das Kobe-Rind gar nicht besser schmeckt als ein ordinäres Allerweltsrind und die Beatles besser als die Stones waren. Die Society würde sich ihrer beliebtesten, weil besten Versammlungsorte beraubt sehen, Kitzbühel wäre gefährdet, Gstaad ebenso und vielleicht würde dann irgendein amokgelaufener Wissenschafter behaupten, der Sonnenaufgang in Rust wäre genauso schön wie der in Portofino. Mehr braucht man nicht. Man denke nur an die ganzen mondänen Festivals, irgendwann wird es noch so weit kommen, dass man uns einreden will, wir könnten es bei bestem Willen nicht auseinanderhalten, ob Barenboim oder Thielemann die Berliner dirigiert, noch ärger, 90 Prozent von uns könnten die Wiener Symphoniker von den Wiener Philharmonikern gar nicht unterscheiden. Lächerlich. Ich bin im Besitz einer Karajan-Aufnahme, wo Mutter eine Stradivari streicht, weiters einer Böhm-LP, wo Stern eine Guarneri spielt, und der Unterschied der Klangfarbe ist so etwas von himmelschreiend.

Zum Schluss noch ein Argument, welches die amerikanischen Untersuchungen ad absurdum führt. Verehrte Leserschaft, wissen Sie eigentlich, wem die Ex-Captain-Saville-Stradivarius gehört? André Rieu – und der kann sich, was das Musikalische betrifft, nicht irren.

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