Ges.m.b.H.: Preisverfall

Ges.m.b.H.: DÖF © Bild: KURIER

Karl Hohenlohe über Titel und Auszeichnungen.

Im Jahre 1961, so liest man, wäre Herr Graham Greene ganz knapp am Nobelpreis vorbeigeschrammt.

Das kommt mir bekannt vor.

In Österreich leben unzählige Prominente, die kurz vor der Kür zum Professor stehen.

Der Professorentitel wird in Insiderkreisen höher geschätzt als die untere Ordensabteilung. Sicher, man könnte der Visitenkarte eine fotografische Aufnahme des Ordens beifügen, würde sich aber einer gewissen Affigkeit verdächtig machen.

Der Hinweis "Prof." auf der Visitenkarte hingegen öffnet Tür und Tor zum Erfolg. Dies wird von den frisch gebackenen Professoren zumindest in den ersten 14 Tagen ihres Professorendaseins angenommen, dann müssen sie mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass der "Herr Doktor" beim Nobelitaliener immer noch den besseren Tisch bekommt.

Ich war einmal in einer illustren Runde zum Abendessen eingeladen, beim Kaffee fand man heraus, dass, abgesehen von mir, ausschließlich Professoren versammelt waren. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich bewusst privilegiert empfand.

Trotzdem habe ich nie jemanden kennengelernt, der sich über eine Auszeichnung nicht gefreut hätte. Jene Menschen, die Auszeichnungen ablehnen, am meisten, weil es ihnen die Möglichkeit eröffnet, ihre ablehnende Haltung kundzutun.

Herr Greene, den man, schon im reiferen Alter, befragte, wieso es in seinem langen Literatenleben niemals für den Nobelpreis gereicht hatte, meinte, er wäre diesbezüglich keineswegs unzufrieden, da er kurz vor einer wesentlich größeren Auszeichnung stünde. "Welche?", wollte der Reporter wissen und Greene: "Dem Tod."

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Erstellt am 12.01.2012