Ges.m.b.H.: Ludwig Hirsch

Karl Hohenlohe über Ludwig Hirsch, der dem Tod ein Lied sang.

Ludwig Hirsch war einmal da, dann war er wieder weg, aber er blieb uns zeitlebens in Erinnerung. Irgendwann einmal hatte er eine Platte gemacht, dunkelgraue bis schwarze Lieder, die man nachpfeifen und nachsingen konnte, und uns, trotz der eingängigen Melodien, in eine spätherbstliche Stimmung versetzten. Herr Hirsch hatte eine einprägsame Stimme, sehr ruhig, sehr langsam, etwas brüchig und zurückhaltend. Wäre da nicht Paolo Conte gewesen, vielleicht wäre Ludwig Hirsch der Ursprung aller Sprechsänger gewesen, das Dunkel war ihm eigen. Viele seiner Lieder handelten vom Tod, was nachher einmal sein wird, wohin wir gehen, also der Endlichkeit des Daseins. Vielleicht ist es den Österreichern wirklich schwerer, an den Tod zu denken, als den Einwohnern unserer Nachbarländer. Nicht weil wir mehr als andere am Leben hängen, sondern weil wir größere Sorge vor der Ungewissheit haben. So ziehen wir den Tod ins Lächerliche und besingen ihn, anstatt ihn als Teil des Lebens zu akzeptieren. Herr Hirsch, der sich in den letzten Jahren ein wenig zurückgezogen hatte, war ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Er habe, so erzählte er einmal, die Leute immer erst ein wenig einlullen wollen und sie dann, wenn sie es nicht erwartet hätten, " ein bissl gezwickt ". Dieses " bissl " war in der Realität sehr viel und wer sehr viel von Ludwig Hirsch wissen will, der sollte sein letztes Buch ("Ich weiß es nicht, wohin die Engel fliegen") , mit seinen Liedtexten kaufen. Man weiß, dass Menschen, wenn sie Angst haben, oft zu zu pfeifen beginnen. Ludwig Hirsch, der gestern freiwillig aus dem Leben schied, wird uns als wunderbarer Sänger in Erinnerung bleiben.

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Erstellt am 21.12.2011