Ges.m.b.H.: Gastrolle

Über den sehr interessanten Michael Haneke.

Es ist oft schwieriger für die Kinobesucher meine Filme zu sehen, als für die Schauspieler und mich, sie zu machen." Michael Haneke ist ein sehr interessanter Mann, musisch und gebildet. In einem der zahlreichen Fernseh-Porträts, die man ihm gewidmet hat, verwies er einmal darauf, dass er schon als Kind immer alles beobachtet hätte. Die anderen Kinder, die Erwachsenen, die Umwelt und immer, immer wieder sich selbst. Nun ist er im Zentrum der Begierde neugieriger Menschen und genau in dieser Funktion stand er mir neulich bei einem privaten Abendessen gegenüber. Ich glaube nicht, dass Herr Haneke sich an mich erinnert, es waren große Schauspieler da, andere Regisseure, die Frau Minister und somit fruchtbarere Möglichkeiten für Gespräche. Dies ließ mir breiten Raum ihn zu studieren. Dass Herr Haneke immer Schwarz trägt, ist nicht berichtenswert, Schwarz ist das Bunt der Intellektuellen. Herr Haneke scheint im privaten Kreise ein sehr höflicher Mensch zu sein, während der Dreharbeiten kann er auch etwas laut werden. Einmal hat seine Frau lächelnd das Wort "Macho" in den Mund genommen, "aber nur wenn man ihn lässt" und auch darin unterscheidet er sich nicht von vielen anderen Männern, denen große Würfe gelungen sind. Das Auffällige an Herrn Haneke sind selbstverständlich seine verstörenden Filme, dann, mit weitem Abstand, seine Sprache, ein breiter, schöner Dialekt, der irgendwo zwischen Wien und Wiener Neustadt gebeizt wurde. Die letzte Weihe, jene zur Legende, erfahren die österreichischen Künstler immer erst, wenn sie nicht mehr sind, bei Herrn Haneke wird es anders sein.

Erstellt am 05.12.2011