Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Ballspiele

Karl Hohenlohe über das Erkennungsmerkmal des ehemaligen Operndirektors

Vereinzelt sieht man ihn noch in der Television, entweder er bekommt einen Orden, lässt Kabarettisten durch seine Aura glänzen oder adelt ausländische Opernhäuser durch seine Gegenwart. In all den Trailern, die den nachfolgenden Sendungen als Werbung dienen, frisiert er sich oder wird frisiert. Ich selbst konnte Holender im Audimax der Wiener Universität bewundern, wo er einer Art Kabarettaufführung beiwohnte und für seinen Fernsehauftritt zwischen den umherirrenden Studentinnen und Studenten frisiert wurde. Immer gilt es, das linke störrische Haupthaar vom rechten zu trennen. Nun war ich ganz der Annahme, dies wäre sein Erkennungszeichen, Schnee über dem Solarium, der von der Pistenraupe kontinuierlich onduliert wird. Ich irrte, wie so oft im Falle Holender. Das Erkennungsmerkmal des ehemaligen Staatsoperndirektors ist die Verunglimpfung des Opernballs. In nahezu rührender Weise wird er von ihm in den verschiedensten Sendungen plötzlich zum Thema gemacht und mit abfälligen Schlenkern bedacht. In Budapest äußerte er sich wenig positiv, in Wien sowieso und als er nun einen japanischen Orden verliehen bekam, hörte man, er würde ihn ganz sicher nicht auf dem Opernball tragen. Hut ab vor dem Ex-Direktor, was muss er bei seinem großen Auftritt in der historischen Kutsche mit Anna Netrebko gelitten haben und dann erst bei seinem Couplet oder Word-Rap, der das ganze Haus nachhaltig erschütterte. Dem nicht genug, ging Holender sogar so weit, dass er seinen Sohn 2010 nötigte, den ungeliebten Opernball auch noch zu eröffnen. Hut ab vor so viel Staatsräson, ein vorbildliches Verhalten, das Seinesgleichen sucht.