Gar nicht witzig, oder doch?

Humor ist vielfältig und überall anders.

New York ist die Stadt, in der alles möglich ist, was nirgendwo sonst auf der Welt möglich ist. Zum Beispiel ein Festival über deutschsprachige Literatur, das den Titel Seriously Funny trägt, ernsthaft witzig. Im Rest der Welt gibt es viele Tugenden, die man den Deutschen zuschreibt (und somit meist auch den Österreichern, weil der Rest der Welt außer The Sound of Music und Skiing nicht sooo viele Unterschiede zwischen uns da unten und denen da oben macht). Man hält sie/uns für fleißig, tugendhaft, gemütlich – aber sicherlich nicht lustig. Und das ist blöd für die deutschsprachige Literatur, daher dieses Festival mit sechs Autoren aus CH/D/Ö, welches dem amerikanischen Publikum beweisen wollte, dass wir deutsch schreibenden Schriftsteller sehr wohl witzig sein können. Und hier begannen die Probleme. Der mit mir eingeladene österreichische Autor war klug, aber überaus unlustig (z. B. erklärte er, dass lachende Leser ein Übel seien, sie korrumpierten nämlich den Autor). Die deutsche Autorin fand es witzig, Witze über Frauen und Schwarze zu machen, (während ein großer Teil des Festivals Frauen oder schwarz war) und der andere Deutsche war eigentlich sehr witzig – vorausgesetzt man wusste, dass er einen Witz machte. (Er: Treffen sich zwei Jäger. Beide tot). Und die Schweizer waren neutral. Am Ende jedenfalls lachte das New Yorker Publikum wie verrückt, denn es ist schon verdammt lustig, wenn Autoren aus Ö, D und CH darüber streiten, warum die anderen nicht lustig sind, man selbst aber schon. Seit ich schreibe, denke ich darüber nach, was Humor bedeutet. Und wenn ich nach dieser ganzen wilden ewigen Lesereise eines gelernt habe, dann, dass Humor vielfältig ist, überall anders, und definitv keine deutsche Tugend. [Das war ein Scherz. Ein deutscher Scherz. Also kein Scherz. Oder doch?]

vea.kaiser@kurier.at

( kurier.at ) Erstellt am 19.03.2016