Flaschenpost

Vor drei Wochen noch wurden die Abfahrer als Flaschen bezeichnet.

Wolfgang Winheim | über die Aussagekraft einer WM

Nach der Blechernen für WM-Abfahrer Klaus Kröll auch für Springer Wolfgang Loitzl „nur“ Platz vier. Aber die Reaktionen auf die zerrupften Adler fielen doch viel zahmer aus. Weil Kombinierer Gruber am selben WM-Tag in Val di Fiemme mit Silber die Nörgler ablenkte. Weil Schlierenzauer in der Weltcup-Gesamtwertung überlegen führt, die in einem Freiluftsport ohnehin aussagekräftiger ist als eine WM. Vielleicht auch, weil den Springern um 750.000 weniger via ORF zusahen und das Erregungspotenzial beim Boulevard geringer ist als bei einer alpinen Heim-WM.

Vor drei Wochen noch wurden die Abfahrer als Flaschen bezeichnet, wobei sich drüber streiten lässt, ob so eine Bezeichnung nicht eher den Schlagzeilenproduzenten zusteht. Die Flaschen bewiesen jedenfalls schon im ersten Rennen nach der WM, dass sie keine sind. Gelingt es Reichelt und Co. in Kvitfjell erneut, Marcel Hirschers Weltcup-Rivalen Svindal auf Distanz zu halten, wäre das für den heute 24 Jahre alten Hirscher ein Geburtstagsgeschenk. Dann wäre der Salzburger der erfolgreichen Titelverteidigung im Gesamtweltcup einen Schlittschuhschritt näher.

Den Titel Sportler des Jahres macht dem Slalom-Weltmeister jetzt schon kaum wer streitig. Es sei denn, die Fußballer schaffen die WM-Quali. Andernfalls bleibt denen die Flaschen-Rolle vorbehalten. Denn die Kicker-Branche kennt erst recht kein Mittelding zwischen Jubel und Verdammen. Sie lebt vom Übertreiben.

Erstellt am 02.03.2013