über den brasilianischen Viertelfinaleinzug
06/29/2014

Das richtige Ergebnis

von Bernhard Hanisch

Und es ist gut, dass Brasilien weitergekommen ist, weil es ruhig bleibt im Land.

Bernhard Hanisch | über den brasilianischen Viertelfinaleinzug

Brasilien steht im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Durchatmen. Glück in großen Portionen war nötig, zum rechten Zeitpunkt wurde die Seleção mithilfe von oben beliefert. Kein Kunststück, ist es doch landestypische Annahme, dass Gott ein Brasilianer sein müsse. Die Sambatänzer stolperten ins Viertelfinale.

Und das ist gut so.

Für die sportliche Dramaturgie des Turniers ist der Verbleib des Gastgebers, der sich in dieser Rolle weit besser macht als zuvor befürchtet, von großer Wichtigkeit. Menschen, die sich ausgezeichnet haben durch eine sympathisch ausgelebte Begeisterung, die weit weg ist von einer unberechenbaren Hysterie, haben es verdient, aufzusteigen.

Welch international breitgetretene Geschichte wäre ein chilenisches Kunststück natürlich gewesen, den fünfmaligen Weltmeister aus dem Bewerb zu schubsen. Die Gelegenheit, eine Überraschung nach allen Regeln der Kunst medial auszuschlachten. Eine gute Geschichte, sicherlich. Aber nur für einen Tag, höchstens zwei vielleicht.

Brasiliens Nationalmannschaft hat sich das verlängerte Dasein bei der eigenen Veranstaltung redlich verdient. Weil ihre Spieler zwar kundgetan haben, Weltmeister werden zu wollen, aber nie arrogant aufgetreten sind. Leidenschaft ist die brasilianische Tugend. Eine Entschlossenheit, die hör- und sichtbar wird beim kollektiven Schreien der Hymne vor jedem Spiel. Brasilien zaubert nicht, Brasilien kämpft. Nicht unbedingt dem Image entsprechend, aber doch imponierend. So wie mancher Beobachter auch dem Aha-Effekt unterliegt, dass Neymar auf dem Platz nicht den verhätschelten Jungstar gibt, sondern sich als nervenstarker und mitreißender 22-jähriger Leistungsträger präsentiert. Der verwandelte Elfmeter gegen Chile war diesbezüglich wohl die größte Bestätigung.

Und es ist gut, dass Brasilien weitergekommen ist, weil es ruhig bleibt im Land. Aber es wäre schlecht, zu vergessen, dass sich die allgemeine Unzufriedenheit in eben diesem Land nur versteckt. Hinter dem Fußball.

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