Meinung
21.06.2017

Kluft zwischen Basis und Elite

Zweckoptimismus oder Angststarre? An der Frage, ob unsere multikulturelle Gesellschaft funktioniert oder nicht, scheiden sich die Geister.

Österreich sollte überlegen, nur jene Zuwanderer einzuladen, die wir brauchen und die sich rasch eingliedern wollen.

Dr. Martina Salomon | über eine EU-Studie zum Zuwanderungsstopp aus muslimischen Ländern.

Kaum eine Studie der vergangenen Jahre zeigt so schroff die tiefe Kluft zwischen Meinungsführern und Bevölkerung (ein Hauptgrund für die grassierende Politikverdrossenheit): Die Bürger von zehn EU-Staaten – inklusive Österreich – sind mehrheitlich für einen Zuwanderungsstopp aus überwiegend muslimischen Ländern. Für 55 Prozent ist die europäische Lebensweise mit der islamischen unvereinbar. Die europäische Elite hingegen vertritt nur zu jeweils einem Drittel diese Meinung.

Daraus lassen sich einige Schlüsse ziehen. Zum Beispiel: Wer zur Oberschicht gehört, ist polyglott und hat daher weniger Berührungsängste mit anderen Kulturen, wohnt aber oft auch weitab von Integrationsproblemen in seiner geschützten Wohlfühloase. Aus dieser Warte lässt sich die multikulturelle Gesellschaft leicht schönreden.

Umgekehrt sehen die nicht so Privilegierten manchmal übertrieben schwarz (oder blau). Sie erleben oft in ohnmächtiger Wut, wie die Politik ihnen verschweigt (und sie nicht selten sogar belügt), dass man in ihren Bezirken mit einem ohnehin schon großen Anteil armer Zuwanderer noch weitere Asylwerber-Unterkünfte errichtet. Wenn sie ihre Sorgen artikulieren, werden sie als "rechts", gar als rassistisch, jedenfalls aber als "Modernisierungsverlierer" abgestempelt.

Doch jetzt lassen sich die Probleme nicht mehr totschweigen. Siehe die mangelnde Integrationsfähigkeit ganzer Gemeinschaften mitten unter uns – inklusive Frauenverachtung, Bildungsversagen, Abschottung und der Tendenz, von staatlicher Hilfe zu leben. Manche unserer Sozialleistungen (plus einige unserer überaus toleranten "Werte" bis hin zum Laissez Faire) muss man jetzt leider neu definieren, um sie nicht Missbrauch auszusetzen.

Und auch wenn es rechtlich extrem schwierig ist: Österreich sollte überlegen, künftig nur jene Zuwanderer einzuladen, die wir brauchen und die sich mit unserer Hilfe rasch in unsere mitteleuropäische Gesellschaft eingliedern wollen – mit allem, was da dazu gehört: Sprache, Sitten und Gebräuche, Leistungswillen und Toleranz, Lebensart und Lebensform. Dann kann auch das Asylrecht wieder zum dem werden, was es sein soll: ein Menschenrecht zum (temporären) Schutz vor lebensbedrohlicher Verfolgung.

Wenn Muslime mit einer vormittelalterlichen Auslegung des Islam in einem Land irgendwann einmal eine kritische Masse übersteigen, dann kommt das liberal-aufgeklärte Lebensmodell tatsächlich schwer unter Druck. Konflikte (in Ansätzen schon jetzt sichtbar) sind programmiert. Den Eliten wird es dann womöglich nichts nützen, höhere Zäune um ihre Villen zu bauen und die Augen vor der Wirklichkeit zu veschließen.