ORF-SOMMERGESPRÄCH: KICKL (FPÖ)

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Kommentar
09/24/2021

Ein unwürdiges Schauspiel: Kickls Antikörper-Befund als Tiefpunkt einer Debatte

Nachdem man in der FPÖ stets damit argumentiert hat, die Impfung sei Privatangelegenheit und habe andere nichts anzugehen, befasst der Parteiobmann nun gleich die gesamte österreichische Medienöffentlichkeit mit seinem Impfstatus.

von Elisabeth Hofer

Wir haben im vergangenen Jahr mehr nackte Politikeroberarme gesehen, als je zuvor. In den meisten davon steckte eine Nadel. Mit den Bildern wollte man sagen: "Ich vertraue der Impfung, tut ihr das auch - so kommen wir aus der Pandemie heraus."

Und nun also wieder Fotos eines Politikers mit Nadel im Arm. Diesmal gehört der Arm FPÖ-Chef Herbert Kickl, die Nadel dient nicht zur Impfung, sondern zur Blutabnahme. Kickl hat einen Befund vorgelegt, der zeigen soll, dass er nicht geimpft ist. Und damit, so seine Begründung, dass er im Bezug auf seinen Impfstatus nicht gelogen habe, wie ihm PR-Berater Wolfgang Rosam unterstellt habe. 

In Wahrheit zeigt die Veröffentlichung des Blutbefundes noch etwas ganz anderes: Die Debatte rund um die Impfung gegen das Coronavirus hat in Österreich einen Tiefpunkt erreicht. Der eine verbreitet Gerüchte über den Impfstatus des anderen. Der zweite wiederum macht in einer Trotzreaktion einen höchstpersönlichen, medizinischen Befund öffentlich.

Während Österreich beim Impffortschritt im EU-Vergleich weit zurückgefallen ist und laufend Menschen am Coronavirus sterben, macht der FPÖ-Chef also weiterhin Stimmung gegen das Impfen. Dass man hier als Parlamentspartei eine Verantwortung zum Schutze der österreichischen Bevölkerung trägt, ist der FPÖ offenbar vollkommen entfallen. Ihre Priorität ist eine andere: Sie will um jeden (seit heute wissen wir: wirklich jeden) Preis die Stimmen der Impfkritiker abgreifen.

Interessant ist darüber hinaus aber noch eine andere Frage: Tut Kickl mit der Veröffentlichung des Befundes nun nicht als erster genau das, wovor er stets gewarnt hat: Wegen öffentlichen Drucks höchstpersönliche Daten offenzulegen. Nachdem man in der FPÖ stets damit argumentiert hat, die Impfung sei Privatangelegenheit und habe andere nichts anzugehen, befasst der Parteiobmann nun gleich die gesamte österreichische Medienöffentlichkeit mit seinem Impfstatus. Das ist einigermaßen paradox und ein unwürdiges Schauspiel. 

Er müsse sich gegen eine Lüge verteidigen, begründet Kickl den Schritt. Dass man Gerüchte (auch im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad des Verbreitenden) einfach als solche abtun kann und nicht weiter kommentieren muss, ist in der Abwärtsspirale der politischen Debattenkultur in Österreich offenbar keine Option mehr.

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