Gymnasium Hagenmüllergasse

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Leitartikel
01/12/2022

Keine Matura wie damals

Der Bildungsminister entschärft die Reifeprüfung zwar ein wenig. Der Groll der Jugendlichen und der Eltern ist ihm dennoch sicher.

von Bernhard Gaul

Bei der Matura 2022 wird es wieder Erleichterungen geben. Aber anders als in den beiden vergangenen Jahren wird die mündliche Matura wieder verpflichtend sein (siehe Seite 6). Der neue Bildungsminister Martin Polaschek erklärte dazu, es sei positiv zu sehen, dass „Schülerinnen und Schüler nach einem langen Leben in der Schule auch mit einer Abschlussprüfung das Schülerleben abschließen“.

Während die schwarzen Gewerkschafter die Entscheidung Polascheks gutheißen, sehen das Elternvertreter und vor allem die Schüler selbst kritisch. Und das mit Recht.

Gut ist, dass nicht kurzfristig irgendwas beschlossen wurde, sondern bereits jetzt eine Entscheidung vorliegt. Und es stimmt zwar, dass die Maturanten in diesem Schuljahr mehr Präsenzunterricht hatten. Bei der Matura wird aber nicht nur das in der achten Klasse vermittelte Wissen abgefragt, sondern jenes der Oberstufe. Und der Maturajahrgang 2022 hat in Summe zweieinhalb Jahre keinen normalen Unterricht mehr gehabt, während den anderen Jahrgängen ja „nur“ eineinhalb Jahre bzw. ein paar Monate fehlten. Warum also die Verschärfung?

Dass der Lernstoff eingeschränkt wird, wird da zur Nebensache. Fakt ist, dass seit bald zwei Jahren die Jugendlichen mit Masken im Unterricht sitzen, viel Stoff gar nicht erarbeitet werden konnte, der Online-Unterricht aufgrund der unterschiedlichen digitalen Fähigkeiten der Pädagogen ein Lotteriespiel blieb. Besonders mühsam mit Blick auf die verpflichtende mündliche Matura ist zudem die fehlende Praxis. Gerne können die Kabinettsmitarbeiter im Ministerium versuchen, eine Fremdsprache hinter einer FFP2-Maske versteckt zu lernen. Da werden sich nicht wenige schwertun, die richtige Sprache zu erkennen.

Und dann blicken wir doch gebannt auf die Omikron-Wand, die sich gerade aufbaut. Die WHO geht davon aus, dass sich bis Anfang März die Hälfte der Bevölkerung Europas infiziert haben wird. Normal können die kommenden acht Wochen also wohl kaum werden. Vielleicht weiß Minister Polaschek da etwas, was wir nicht wissen. So aber kommt die Ankündigung des Bildungsministers in einer Zeit maximaler Unsicherheit wie eine Keule für die Maturanten – und für ihre Lehrer.

So sehr wir den Maturanten nämlich wünschen würden, eine „Matura wie damals“ ablegen zu können – derzeit ist nicht abzusehen, wann es wieder wird wie früher. In den sozialen Medien wird Polaschek unterstellt, die Schüler zu verhöhnen und sie jedenfalls gering zu schätzen. „Dieser Matura-Erlass reiht sich ein in die völlig unangebrachte Pandemie-Politik des Bildungsministeriums. Ich bin so wütend“, schrieb Maturant Mati Randow, Schulsprecher einer Wiener AHS.

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