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Leitartikel
03/26/2021

Kar-Ruhe und Osterlachen

Wir leben in kargen Zeiten. Aber ohne Optimismus werden wir nicht durch die Krise kommen und erst recht nicht durch die Zeit danach.

von Rudolf Mitlöhner

Die Karwoche dürfte also heuer so werden, wie sie idealtypisch eigentlich immer ist: ruhig. Dem Wiener Bürgermeister verdanken wir das schöne Wort „Osterruhe“ als Ersatz für das böse L-Wort, das niemand mehr hören kann, auch wenn es bis vor gut einem Jahr kaum jemand verwendet hat.

Noch besser wäre es, von Kar-Ruhe zu sprechen – kommt der Wortteil „Kar-“ doch vom althochdeutschen Wort für Sorge, Kummer etc. Auch das Wort „karg“ hängt damit zusammen – und wer wollte bestreiten, dass wir in kargen Zeiten leben?

Das gilt auch im politischen Sinn. Gar nicht primär wegen des Corona-Managements der Regierung. Da gab und gibt es einiges zu kritisieren, aber auch ein nur schneller Blick rundum macht sicher, dass es – abgesehen vom Impftempo natürlich – kaum Länder gibt, die man beneiden müsste. Überall grosso modo dasselbe Stochern im Nebel, das Ringen um den rechten Maßnahmenmix, um die Balance zwischen Öffnen und Schließen, letztlich zwischen Freiheit und Sicherheit.

Nein, politisch karg sind die Zeiten wegen des gesamten Settings: zwei nicht wirklich harmonierende Regierungsparteien, die wir uns dennoch – frei nach Camus’ Sisyphos – als glückliche Koalition vorstellen müssen. Aneinandergekettet, erstens wegen der Pandemie, aber auch mangels Alternativen. Was allenfalls bliebe: die Rückkehr zur ungeliebten Großen Koalition, aus der das Land zu befreien aus guten Gründen zuerst Wolfgang Schüssel und dann Sebastian Kurz aufgebrochen waren. Dies als einzig realistische Alternative: wenn das keine kargen Zeiten sind …

Aber einstweilen überlagert naturgemäß die Pandemiebekämpfung alles – und immer wieder fragt man sich bange, ob das Licht am Ende des Tunnels echt oder doch nur (herbeigesehnte) Täuschung ist. Zu oft haben wir schon gehört, dass die nächsten Wochen entscheidend seien, es jetzt gelte, einmal doch durchzuhalten und dergleichen mehr. Und doch lassen sich die steigenden Zahlen nicht schön- oder kleinreden. Auch in Ländern, die beim Impfen besser liegen als Österreich, wie etwa Ungarn, ist die Lage dramatisch.

Wir leben also gewissermaßen in einem fortwährenden Karsamstag, dessen Ende sich bestenfalls ganz vage abzeichnet. Hier durchzuhalten, fällt – auch das darf man sagen – einer saturierten, wohlstandsverwöhnten Gesellschaft naturgemäß schwerer, als früheren, mit Not und Entbehrung vertrauten Generationen.

Die katholische Tradition kennt das sogenannte „Risum paschale“, das Osterlachen. Auch wenn nach solchem derzeit niemandem zumute ist: mit Frohsinn, Zuversicht und Optimismus lässt sich die perpetuierte Karwoche leichter bewältigen. Und für die Zeit danach wird eine solche Haltung überhaupt unerlässlich sein.

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