© EPA/Sean Gallup / POOL

Leitartikel
04/20/2021

Kanzlerkandidatur: Nach dem Königsdrama die Chance?

Armin Laschet hat sich durchgesetzt - hätte Deutschland wirklich von Markus Söder regiert, Europa von ihm dominiert werden wollen?

von Andreas Schwarz

Euphemismus ist die beschönigende Umschreibung eines wenig schönen Sachverhalts. So gesehen hat der in der bayerischen CSU geprägte Satz für die Kanzlerkandidatur von CDU-Chef Armin Laschet – „Das Verfahren war holprig, aber das Ergebnis ist eindeutig“ – jetzt schon das Zeug zum Euphemismus des Jahres.

Das Verfahren, wer die Union nach 16 Jahren Kanzlerschaft in die Herbstwahl führt, war ein fahrlässig herbeigeführtes politisches Königsdrama, in dem nur der abschließende Mord fehlte. Stimmt schon: Es gibt kaum Beispiele, dass Langzeit-Regierende auch noch eine Übergabe zu einem erfolgreich aufgebauten Nachfolger organisieren – das ist in der DNA von Alphatieren nicht vorgesehen, auch in der der Angela Merkel nicht. Das lange Vakuum aber, das sie hinterlassen hat, wurde am Ende vom bayerischen Ministerpräsidenten zu einem wilden Profilierungsritt genutzt: Die Gunst der Corona-Stunde ließ Markus Söder an seine große Stunde glauben. Aber selbst sein Talent zur Finte strauchelte an der Zähigkeit des stets unterschätzten Armin Laschet.

Aber „eindeutiges Ergebnis“? Vor einer Woche hatte der CDU-Chef Parteipräsidium und Vorstand einmütig hinter sich. Viele verbrannte Erden später erzwang er in einer abenteuerlichen Nachtsitzung ein 31:9-Votum (bei sechs Enthaltungen) für sich – einmütig ist da nichts mehr, und die namhaften Landeschefs, die sich für „lieber ein Kanzler der CSU als einer der Grünen“ aussprachen oder das Votum als eines „gegen die Basis“ geißeln, werden nicht verstummen.

Und jetzt? Steht die Union mit einem Kandidaten da, der nach allen Umfragen die schlechteren Aussichten hat, die SPD des Olaf Scholz und die Grünen der frisch gekürten Annalena Baerbock in Schach zu halten. Gleichzeitig hat sich die CDU einen Kanzlerkandidaten und möglichen Kanzler aus der kleinen Schwesterpartei erspart, der eine Ich-AG im Wind der jeweiligen Trends ist, ein ebenso gerissener wie oberflächlicher politischer Hallodri und kein Teamplayer. Und den hat die CDU nicht nur sich erspart: Will Deutschland von so einem regiert, Europa von so einem dominiert werden?

Armin Laschet steht für die fade Mitte, aber auch für die Merkel’sche Verlässlichkeit. In Zeiten der wachsenden Unsicherheiten mag der Typ Hau-drauf kurz faszinieren. Langfristig sind Berechenbarkeit, Zähigkeit und Sicherheit gefragter. Das ist die Chance, die Laschet im Wahlkampf hat, neben der Fähigkeit, diejenigen, die ihm keine geben, eines Besseren zu belehren.

Auf das Worthalten Söders „ohne Groll“ sollte der Unionskandidat indes nicht zu viel geben. „Wir akzeptieren das Ergebnis und respektieren es“, hat Söder gesagt. Das ist der Euphemismus für ein anderes CSU-Wort des gestrigen Tages: „Söder ist der Kandidat der Herzen, Laschet der Kandidat der Union“. Gemeinsam schaut anders aus.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.