AMS: Neue Suchmaschine zeigt fast komplettes Jobangebot in Österreich

© Istock.com/Savusia Konstantin / Savusia Konstantin

Leitartikel
08/30/2021

Jobs sind nichts für den Sommerschluss

Bitte keine Einzelideen mehr zu Arbeitsmarkt und Pensionssystem. Es braucht ein umfangreiches Gesamtkonzept.

von Richard Grasl

Das war ohnehin ein Sommer der grausamen Nachrichten. Waldbrände, Fluten, Klimakollaps, Afghanistan, Delta und Lambda, Impfmüdigkeit, Frauenmorde. Und jetzt auch das noch – eine Pensionsdebatte, losgetreten von AMS-Vizechef Johannes Kopf, drei Tage nachdem er auch eine Streichung von Zusatzeinkünften für Arbeitslose gefordert hatte. Und fast zeitgleich mit dem Bundeskanzler, der unter tosendem Applaus seiner Anhänger am Parteitag den wenig überraschenden türkisen Evergreen „Wer arbeiten kann, muss auch arbeiten gehen“ zum Besten gegeben hat.

Jetzt sind die letzten Ferienwochen ja medial immer ganz besondere. Die Nachrichtenlage wird dünn, daher suchen Medien in ihren Sommerinterviews nach Zündstoff. Einige Akteure vermissen seit Wochen ein Mikrofon vor ihrer Nase und plustern sich gerne mit seltsamen Themen auf (die steirische VP war früher bekannt dafür). Dazu kommen TV-Sommergespräche – und wenn dann die halbe Republik noch nach Alpbach reist, werden dort überhaupt Gerüchte zu Themen und zu Intrigen, was das Zeug hält. Dort sind schon Obmanndebatten in Parteien entstanden, diesmal wohl auch um das Haltbarkeitsdatum der SPÖ-Chefin.

Doch das Thema Arbeitsmarkt ist zu heikel für Sommergeplänkel und Parteitags-Kalauer. Wir haben gerade die höchste Arbeitslosigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg hinter uns, Milliarden unseres Steuergeldes in den Arbeitsmarkt gepumpt.

Die Digitalisierung und die Homeoffice-Bewegung gefährden Jobs und physische Schreibtische. Die Menschen haben Angst. Viele haben aber auch das „Arbeiten verlernt“, wie die Kollegen vom Trend vergangene Woche getitelt haben. Und nun müssen viele, die ihren Pensionsantritt geplant haben, zittern, ob das alles so kommt. Die Reinigungskraft, die seit Jahren keine Arbeit findet, bangt um ihr zum Überleben notwendiges Zubrot, und ein junger Vater muss von seiner Familie wegziehen, weil er entfernt Arbeit annehmen muss?

Nein, das ist kein Plädoyer dafür, dass man am Arbeitsmarkt dringend notwendige Reformen verschieben oder gar nicht angehen sollte. Im Gegenteil. Die Probleme sind groß: der massivste Arbeitskräftemangel, den wir je hatten und Unternehmen in Schieflage bringt, ebenso wie die ausufernden Pensionsausgaben, die Pflegeprobleme, die Arbeitslosigkeit generell, Pfusch und prekäre Dienstverhältnisse, die Re-Integration der Corona-Arbeitslosen auf dem Jobmarkt.

Doch das kann man nicht mit unzusammenhängenden Einzelideen oder mit den Sozialpartnern unabgestimmten Provokationen machen. Dafür ist das Thema zu ernst, obwohl sowohl Kurz als auch Kopf inhaltlich sehr wohl recht haben. An Arbeitsminister Martin Kocher liegt es jetzt, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, über das man weiterreden kann. Zuzutrauen ist es dem sachorientierten Fachmann jedenfalls.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.