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© Kurier

Leitartikel
06/02/2021

Ist denn nie eine Ruh’?

Wer auch immer die FPÖ übernimmt: Die Gefahr eines radikalen Klimawandels im ganzen Land ist enorm.

von Gert Korentschnig

Schon wieder die FPÖ. Woher kommt sie? (Wissen wir zur Genüge.) Wohin geht sie? (Werden wir bald wissen.) Ist ihr Platz jener der Radikalopposition, dort, wo die Maskenverweigerer hausen, inmitten der Verschwörungstheoretiker? (Vermutlich, weil Weltverschwörung ist immer, ob von den Sozialisten oder von der Ostküste ausgehend, ob von Bill Gates oder anderen bösen Kapitalisten.) Oder kommt nach dem Mann mit der harten Ideologie und dem weichen Lächeln ein anderer Wolf im Schafspelz? (Ebenso denkbar.)

Was auch immer passiert: Wir werden uns noch wundern, was alles möglich ist. Und wir könnten uns fragen, wie das Schicksal dieses Landes verlaufen wäre, wenn der x-te Urnengang bei der Bundespräsidentenwahl doch ein anderes Ergebnis erbracht hätte, aber das nur nebenbei.

Jedenfalls beschäftigt sich die Republik wieder einmal mit dem dritten Lager, das in Wien zuletzt vom zweiten auf den fünften Platz abgestürzt ist. Dabei hatte man hoffen dürfen, dass endlich Ruhe einkehrt in jenem Land, in dem Politik so gut wie nie aus Sachpolitik, sondern aus Machterhalt- oder Machtausbau-Bestreben besteht (samt Herabwürdigung des Gegners.) Wir leben im Dauer-Ballyhoo, das wird wohl mit dem neuen FPÖ-Chef nicht besser (in der Zoologie ist Ballyhoo übrigens ein Halbschnäbler).

Ältere Leserinnen und Leser werden sich noch an Jörg Haider erinnern, an dessen Aufstieg und an die spätere Parteispaltung – das wirkt mittlerweile fast historisch und einigermaßen aufgearbeitet. Wobei sich Haider zu Kickl aus heutiger Sicht lautstärkenmäßig und inhaltlich verhält wie ein Qualitätsmedium zum Messengerdienst Telegram – kommt nix Besseres nach.

Dann wurden wir aus Ibiza von HC Strache zackzack auf den rauen Boden der Realität zurückgeworfen – doch in diesem Fall wurde die Chance auf seriöse Aufarbeitung rasch erstickt. Zu viele Interessen (auch anderer Parteien) standen auf dem Spiel, sodass man lieber versuchte, einander die Augen auszukratzen, damit am Ende keiner mehr etwas sieht.

Danach tauchte plötzlich – zugegeben: dafür kann die FPÖ nix – ein Virus auf, das sich auch politisch als hochinfektiös herausstellte. Und nun, da sich die Lage beruhigt, da sich die meisten verantwortungsvoll impfen lassen, da man wieder zum Durchatmen zu kommen scheint, besteht die Gefahr, dass bald ein neuer Parteichef am Eskalationsrad dreht, das Ausländerthema schamlos von jeder Inhaltlichkeit entkoppelt und zum Aufstand gegen Besonnenheit aufruft. Mag sein, dass nur noch ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung das unterstützt. Gefährlich ist aber immer die Reaktion der anderen Parteien, die wegen ein paar Prozentpunkten beim Wettbewerb der schlechtesten Ideen mitmachen.

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