Meinung
28.03.2018

"Islamistische Hydra"

Eine Unterstützerszene gedeiht, in der Kampfparolen und Judenhass zum guten Ton gehören.

Der politische Islam wird in Frankreich nie ans Ruder gelangen, und auch unter den rund sieben bis acht Prozent der Gesamtbevölkerung, die als „Muslime“ eingestuft werden können, ist er nicht mehrheitsfähig. Aber er hat ein Sympathisanten-Potenzial, das laut Erhebungen auf ein Drittel der jüngeren muslimischen Generationen geschätzt wird. Die beiden jüngsten Vorkommnisse  hängen ursächlich damit zusammen.

Zwar stürzte sich der 25-Jährige,  der sich vom Kleindelinquenten zum Anhänger des „Islamischen Staats“ mauserte, in Südfrankreich im Alleingang in seinen Todesritt. Und der 35-jährige Franko-Maghrebiner, der in einem Pariser Sozialbau eine 85-jährige jüdische Nachbarin erstach und verbrannte, war ein Alkoholiker und Sexualdelinquent.

Aber beide Taten, die quasi zeitgleich am Freitag stattfanden, bündeln Faktoren, die bei etlichen Gewalttaten mit islamistischen Konnex zum Tragen kommen: Ein Großteil der Täter sind junge Männer, die in Gewaltkriminalität verstrickt waren. Einige wurden von ihrer Umwelt als instabil wahrgenommen. Aber alle bewegten sich in einem Milieu Gleichaltriger, in dem islamistische Parolen und Judenhass zum guten Ton gehören.

Diese kollektive Stimmung stachelte sie zur Tat an und umgab sie danach mit einer Aura der Verehrung.

Die franko-algerische Sozialbetreuerin Nadia Remadna warnt: „In etlichen Vierteln hat man den Eindruck, dass die Heranwachsenden nur mehr ein einziges gemeinsames Hirn haben, das von Islamisten gesteuert wird. In Spinden in Sportvereinen hängt das Foto von Mohammed Merah.“ Dieser war der Vorläufer der jetzigen Terrorwelle. Er erschoss 2012 in Toulouse drei – muslimische – Militärs und in einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Lehrer.

Nichts anderes als Remadna sagte jetzt auch Präsident Macron, als er von der „islamistischen Hydra“ sprach“, die in Frankreich „unterirdisch“ vordringe. Sein Vorgänger, François Hollande, hatte aus Sorge vor Stigmatisierung der Muslime, das Wort „Islamismus“ vermieden und von „Terror“ gesprochen. Diese Änderung der Wortwahl zeigt, dass sich der Manövrierraum auch für so liberal gesinnte Staatsmänner wie Macron mit jedem weiteren Attentat verengt.