Das Minarett der Moschee  in Saalfelden im Pinzgau.

© APA/BARBARA GINDL

über ein Miteinander auf Augenhöhe und mit Respekt
02/02/2015

Islam: Dialog auf Augenhöhe

von Peter Stiegnitz

Auch das Abendland ist nichts Monolithisches

em.Prof. Dr. Peter Stiegnitz | über ein Miteinander auf Augenhöhe und mit Respekt

Alle Islam-Experten und solche, die sich dafür halten, sind davon überzeugt, dass alle Terroranschläge von New York (2001) bis Paris (2015) aus dem Humus nicht nur der sozial Ausgegrenzten und Empörten, sondern auch aus den großen religiösen Unterschieden zwischen dem Abendland und dem Morgenland erwuchsen. Die Antworten auf die Bedrohung durch den radikalen Islamismus münden entweder in der Aufgabe der eigenen Kultur des Abendlandes oder in rassistischen Hassausbrüchen über den Umweg eines „Kampfes der Kulturen“.

Respekt

Beide Extremvarianten sind falsch und fatal, da der einzige Weg zu einem friedlichen Neben- oder sogar Miteinander auf gegenseitigem Respekt und Dialog auf Augenhöhe aufbaut. Politische Dialoge, vor allem im Weltmaßstab, werden nur dann fruchtbar, wenn die Gesprächspartner die eigenen und die gegenseitigen Standpunkte kennen. Während das Abendland die Emanzipation ohne Tradition pflegt, frönt das Morgenland einer Tradition ohne Emanzipation. Das entscheidende Problem des Abendlandes ist der Irrglaube, dass unsere Tradition nur aus der Aufklärung besteht. Auch das Abendland ist nichts Monolithisches; es speist sich aus zahlreichen Kulturen, wie die mesopotamischen, ägyptischen, aber auch der muslimischen. Der Islam ließ sämtliche asiatischen Kulturen außer Acht; deshalb auch die scharfe Abgrenzung des Islams zu allen „ungläubigen“ Religionen. Bekannt sind die fünf Quellen des Abendlandes:

  • Die griechische Philosophie schuf unter anderem die Idee des Dualismus und des Absoluten, sowie die Öffnung zum Humanismus des Protagoras
  • Rom schuf nicht nur das erste europäische Recht und Reich, sondern auch die Basis für Kunst und Wirtschaft.
  • Die jüdische Religion des institutionalisierten Monotheismus vereint drei Begriffe: Gott, Gesetz und Geschichte.
  • Das Christentum als universelle Öffnung der jüdischen Religion durch Paulus begründete das heutige Abendland.
  • Die Aufklärung hatte einen „unblutigen“ Vater: Immanuel Kant, der von uns allen verlangte, den „eigenen Verstand (zu) bedienen“ und uns alle von einer „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ zu befreien.

Reformation

Zum erforderlichen „Dialog-auf-Augenhöhe“ dürfen wir noch auf einen Unterschied nicht vergessen: Die anscheinende „Unveränderlichkeit“ des Islam seit seiner Gründung besteht darin, dass er im Gegensatz zu Judentum und Christentum keine Reformation kennt und sich nie Säkularisierung und Laizismus beugen musste. Daher wissen wir, dass die Menschen des Abendlandes ohne Kenntnisse der eigenen Geschichte die Gegenwart nicht verstehen und so keine Zukunft haben, und die Menschen des Morgenlandes ohne Zukunft in ihrer Geschichte verharren und diese für ihre Gegenwart halten.

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