über den Tod von Jo Cox
06/17/2016

Immer mehr Hass – jetzt hat er getötet

In Facebook wird in ganz Europa zu Hass aufgerufen. Jetzt musste eine junge britische Politikerin sterben.

von Helmut Brandstätter

Tun wir uns zusammen gegen den Hass, der die Abgeordnete getötet hat.

Dr. Helmut Brandstätter | über den Tod von Jo Cox

Großbritannien ist geschockt. Die junge, engagierte Labour-Abgeordnete Jo Cox ist tot. Ob sie wegen ihres Einsatzes für den Verbleib der Briten in der EU ermordet wurde, ist noch nicht geklärt. Zeugen der Wahnsinnstat in Nordengland berichten jedenfalls, dass der Mann, der auf die 41-Jährige geschossen und sie erstochen hat, einem Schlachtruf gleich geschrien hat: "Großbritannien zuerst!"

Die Kampagnen für oder gegen den Brexit wurden vorerst eingestellt. Im Moment ist es sinnvoll, Argumente in Form eines Wahlkampfs auszutauschen.

Wer aber dieser Tagen nach London fliegt, tut gut daran, die neueste Biografie über Richard Coudenhove-Kalergie einzupacken. Der Paneuropäer als Immunisierung gegen all den Unsinn, den britische Zeitungen und Politiker in den vergangenen Wochen über Europa verbreiteten. Und auch gegen die Zwietracht, die sie säten. Coudenhove-Kalergi war nicht nur Paneuropäer, sondern auch Friedenspolitiker und ist damit ein aktuelles Gegenmodell gegen den vielfältigen Hass, nicht nur in Großbritannien."Ein Leben für Paneuropa" von Walter Göhring liest sich gerade jetzt wohltuend. Richard Coudenhove-Kalergie wird vor dem Hintergrund seiner Familiengeschichte, der Tragödie des Ersten Weltkrieges, seiner Flucht vor den Nazis und der Rückkehr nach Europa als Mann beschrieben, der mehr war als ein Idealist: Ein Kämpfer für den Frieden auf einem Kontinent, der sich stets über Kriege definiert hatte.

Der im Juli 1945 abgewählte britische Kriegsheld Winston Churchill erwähnte in seiner berühmten Europa-Rede in Zürich im Herbst 1946 den österreichischen Pan-Europäer Coudenhove-Kalergi. Es war ja Churchill, der als Erster von der ökonomischen und friedenspolitischen Notwendigkeit der "Vereinigten Staaten von Europa" sprach. Freilich, Churchill glaubte noch an das britische Empire und sah den Commonwealth als eigenen Machtblock, aber das war nur mehr Illusion. Das erkannte schon Premierminister Harold Macmillan, der 1961 zur EWG wollte. Nach langem Widerstand De Gaulles klappte der britische Beitritt erst 1973.

Eigenbrötlerei und Thatchers heftiges Schwingen ihrer Handtasche – "I want my money back" – bestimmten das Europabewusstsein der Briten ebenso wie das Zusammenwachsen der Insel mit dem Kontinent. Der Eurotunnel ist nur ein Symbol dafür. Die Briten profitierten von der EU ebenso wie die Europäer, aber wenn sie austreten, werden sie einsam sein und das wirtschaftlich stärker spüren als die EU-Mitglieder.

Tun wir uns zusammen gegen den Hass, der die Abgeordnete getötet hat – vielleicht hilft dieser Appell des Ehemannes von Jo Cox. Coudenhove-Kalergi hat die Anleitung dazu.

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