Meinung
07/29/2019

Hoffentlich sind wir die Geister bald los

Boris Johnson wird sich bis Halloween im Brexit-Unterholz verheddern. Eine Chance für die EU.

von Wolfgang Unterhuber

Eigentlich könnten wir das Thema Brexit längst hinter uns haben. Denn ursprünglich war der Austritt der Briten aus der EU für den 29. März geplant. Aber dann wurde die Frist von der übrigen EU bis zum 31. Oktober verlängert. Weil es durch die chaotischen Zustände in der britischen Innenpolitik sonst zu einem harten Brexit gekommen wäre. Das aber war Juncker, Merkel und Co. zu heiß. In den EU-Regierungskanzleien hofft man ja seit Jahren auf die Vernunft der Briten. Das Ergebnis dieser Hoffnung ist seit Kurzem Boris Johnson. Der Irrwicht der britischen Politik spielt jetzt mal den harten Mann und verkündet aller Welt, dass er ohne Vertrag austreten werde. Viele Briten finden das cool.

Weil sie dieses ganze – aus ihrer Sicht – Vertrags-Wischiwaschi nie ganz verstanden haben. Viele Briten glauben, dass No Deal dasselbe ist, wie wenn man zum Autohändler geht, dann aber doch keinen Wagen kauft („no deal“ eben) und mit dem alten Gefährt (aus der EU) wieder gemütlich nach Hause fährt. No Deal aber heißt, dass das alte Auto dann fix weg ist.

Johnson wird das bald begreifen. Wenn er sich dann im Brexit-Unterholz verheddert hat, wird er als Lösung Neuwahlen versuchen. Die EU könnte dann nochmals schwach werden und neue Hoffnungen hegen. Das sollte sie nicht tun. Ein harter Brexit ist auch sprichwörtlich hart und wird uns alle in der Geldbörse treffen. Aber ewig weiterwursteln schadet und kostet noch mehr.

Außerdem ist der 31. Oktober ein treffendes Datum. Da ist Halloween: die Nacht der Geister. Es wird endlich Zeit, die Brexit-Geister loszuwerden.