Frostbeulen mögen’s heiß
Das Thermostat im Wohnzimmer zeigt 29,7 Grad an. Sehr zum Leidwesen eines jeden Besuchers, der sich dieser Tage in meine vier Wände wagt. Mir wird geraten, die Jalousien tagsüber zu schließen, nachts stoßzulüften und so ein paar Grad einzusparen. Doch nichts da – wenn es nach mir geht, können es noch ein paar Grad mehr sein. Die Hitze? Stört mich nicht. Im Gegenteil.
Ab 35 Grad Celsius fängt der Spaß für Frostbeulen wie mich erst an, die Lebensenergie potenziert sich. Endlich lässt sich ohne Sommerdaune in der Tasche vor die Türe gehen. Ein Abendessen im Schanigarten genießen, ohne dass sich die Gänsehaut über den Oberarm schlängelt. Morgens unter die Dusche steigen, ohne einen kalten Luftzug auf der nassen Haut zu spüren. Während sich andere in der Mittagshitze im Dunkeln verschanzen, bereite ich die Gartenliege mitsamt Lektüre vor und lasse ich mir die Sonne aufs Haupt knallen. Sonnenschutz (50er-Faktor, bitteschön) ist allerdings Pflicht bei dieser Lebensweise, genauso wie ausreichend Wasser (und nein, das Soda im Spritzer zählt nicht).
Grantig werde ich bei Sprinkleranlagen mitten in der Fußgängerzone. Bäume wären meines Erachtens nicht nur die ästhetischere, sondern smartere Lösung, Stichwort Klimawandel. Noch ärgerlicher sind nur künstlich gekühlte Innenräume. Der Energieverbrauch ist hoch und die Temperatur auf die ganz Hitzigen ausgerichtet. Also legen Erfrorene Wollsocken und Strickjacken an ihrem Arbeitsplatz bereit. Vor Klimaanlagen flüchten, ist heutzutage nicht einmal mehr im privaten Umfeld möglich. Selbst dort hat man sich nach Hitzerekorden in den Vorjahren zumindest mit Highspeed-Ventilatoren eingedeckt.
Und obwohl ich persönlich Kühlanlagen verteufle, ist es gut, dass es sie gibt. Für überfüllte Fahrten in den Öffis und für all jene, deren Kreislauf bei Hitze zu streiken beginnt. Denn auch wenn vierzig Grad manchen Österreichern nichts ausmachen, so belasten sie die Gesundheit vieler anderer. Und mehr anziehen, ist immer möglich. Mehr ausziehen, ab einem gewissen Punkt nicht.
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