über Wirtschaftsfeindlichkeit
11/05/2016

Hendlhaltung statt Freihandel

Der "Gegen-alles-Populismus" bringt krude Thesen zum Blühen.

von Martina Salomon

Bitte sorgt dafür, dass Schulbücher nicht nur von Altachtundsechzigern, Global 2000 und Attac beeinflusst sind.

Dr. Martina Salomon | über Wirtschaftsfeindlichkeit

Quizfrage: "Wenn Zinsen steigen, was passiert dann mit dem Kurs von Anleihen?" Das ist Teil eines kleinen Wissenstests der Nationalbank (www.eurologisch.at). Nein, es mangelt nicht an Bemühungen etablierter Institutionen um ein besseres Wirtschaftswissen der Österreicher. So hat die Wiener Börse ein eigenes Unterrichtspaket entwickelt. Und auch die Erste Bank eröffnete am Weltspartag ihr neues Wissenszentrum "Financial Life Park" für Jugendliche. (Samt PR-tauglichem "Knalleffekt", weil die Konfetti-Kanone einen Sprinkler abschoss).

Dennoch werden hierzulande Errungenschaften wie die soziale Marktwirtschaft skeptisch beäugt, obwohl sie die Erfolgsgeschichte Österreichs ausmachen. So gilt Wasser als Paradebeispiel für "Bloß-nicht-privatisieren" – obwohl "Wasserrecht" schon seit römischen Zeiten ein wichtiges privates Eigentumsrecht ist und es zahlreiche private Wasser-Genossenschaften gibt. Viele Gemeinden verdienen am Wasser, wie ein "Privater". Weil sie den Kunden hohe Gebühren verrechnen.

Private Pensionsvorsorge? Neoliberales Zeug, das nichts bringt, oder? Dabei haben die privaten Pensionsfonds 2016 trotz schwierigster Bedingungen (Niedrigstzinsen) ein Plus erwirtschaftet.

Konzerne? Werden als Wurzel allen Übels betrachtet – als wäre nicht etwa auch die Linzer Voest einer. Auch zollfreier Handel mit demokratischen Staaten ist neuerdings für eine Mehrheit des Teufels. Dabei hat der freie Handel erst den Wohlstand in Europa begründet und Hungersnöte nach schlechten Ernten beseitigt. Klar ist es nett, daheim Hendln zu halten und Paradeiser zu ziehen. Aber wer ernsthaft von richtiger, alter Selbstversorgerwirtschaft träumt, vergisst, was es seinerzeit alles nicht gab: Kaffee, Tee, Zitronen, Bananen ...

Banken? Gehören an die Leine genommen, meinen Sie nicht auch? Doch nach einer Phase der Unter- ist nun eine nahezu absurde Überregulierung ausgebrochen, vor allem im Euroraum. Das fällt durchaus auch den Konsumenten auf den Kopf, weil die mittlerweile nur noch (etwa einen Häuslbau-) Kredit kriegen, wenn sie so viel Sicherheiten und Vermögen nachweisen können, dass sie eigentlich ohnehin kein Geld mehr von der Bank bräuchten.

Ideologisch gefärbt

Bitte, werte Unterrichtsverantwortliche, macht Wirtschaftswissen zum Hauptfach. Und sorgt dafür, dass Pädagog(inn)en und Schulbücher nicht ausschließlich von Altachtundsechzigern, Global 2000, Attac und Michael Moore beeinflusst sind.

Forscher, die jüngst die Wirtschaftskunde in Schulbüchern analysiert haben, kommen zum Schluss, dass vieles nicht nur unpräzise, sondern auch stark (unternehmerfeindlich) ideologisch gefärbt ist.

Keine Frage, dass das Weltwirtschaftssystem manch schweren Mangel hat. Aber weil etliche Weltkonzerne zu wenig Steuern zahlen, muss man nicht heimische Firmen so lange quälen, bis sie das Handtuch werfen oder ins Ausland abwandern. Der Irgendwie-gegen-alles-Populismus gepaart mit Nichtwissen und Staatsgläubigkeit trägt mittlerweile gefährlich dumme Züge. In Venezuela zeigt sich dieser Tage, wohin das führt! Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet übrigens: Sie fallen.