PK DOSKOZIL ZU ENTWICKLUNGEN IM ZUSAMMENHANG MIT DER COMMERZIALBANK

© APA/ROLAND SCHLAGER / ROLAND SCHLAGER

Leitartikel
08/05/2020

Hans Peter Doskozil: Vom Zugpferd zum Problembären

Hans Peter Doskozil verärgerte seine Partei mit einer Obfrau-Debatte und katapultiert sich nun ohne Not ins Zentrum einer Bankpleite

von Daniela Kittner

In der Politik wendet sich das Blatt oft sehr schnell. Heute noch gefeierter Shootingstar, morgen schon ein Paria.

Ganz so krass ist es im Fall von Hans Peter Doskozil nicht, aber der burgenländische Landeshauptmann entwickelt sich zum Problembären für die SPÖ.

Und das ging ziemlich schnell.

Erst im Jänner dieses Jahres errang Doskozil bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit. Mit dem überraschend klaren Sieg festigte der Burgenländer seinen Ruf als Zugpferd und avancierte zum Hoffnungsträger seiner Partei für die kommende Nationalratswahl.

Damit ist es vorerst wohl vorbei. Und das hat sich Doskozil selbst zuzuschreiben.

Begonnen hat die Stimmungswende bereits im Juli. Für die SPÖ lief gerade der Wien-Wahlkampf richtig gut an: Jan Krainer war im Ibiza-U-Ausschuss der eine oder andere Punktesieg gegen den ÖVP-Wien-Kandidaten Gernot Blümel gelungen. Die Wiener Landespartei sammelte erfolgreich prominente Unterstützer für ihre Bürgermeister-Kampagne.

Und was machte Doskozil? Er trat wieder eine Obfrau-Debatte los. Eine Diskussion, die die SPÖ aus Rücksicht auf die Wien-Wahl eben erst mühsam eingefangen hatte. In mehreren Medien schwadronierte er über die schlechten Umfragewerte der Bundespartei und stellte die Spitzenkandidatur Rendi-Wagners bei der Nationalratswahl infrage.

Viele in der SPÖ waren irritiert und verärgert über das anlasslose Störmanöver des Burgenländers.

Ohne Not

Einen weiteren Patzer leistete sich Doskozil am Montag. Mit einem emotional-untergriffigen Rundumschlag katapultierte er sich ins Zentrum einer Bankpleite, in die er als Person und Landeshauptmann zuvor medial nicht involviert gewesen war. Seit dem Auftritt sind in dem Skandal die Scheinwerfer auf Doskozil gerichtet und nicht mehr auf den betrügerischen Bankdirektor.

Doskozil selbst Opfer?

Zugunsten Doskozils ist ins Treffen zu führen, dass ihm vielleicht auch einige unangenehme Tatsachen unterschlagen wurden. Das glauben zumindest mit den Vorgängen vertraute Personen. Wie sich nämlich bestätigte, hat die Landesgesellschaft RMB die umstrittene Überweisung von 1,2 Millionen Euro online tatsächlich getätigt, allerdings wurde die Transaktion von dem Regierungskommissär, der in der Pleite-Bank bereits das Sagen hatte, nicht mehr durchgewunken.

Nicht souverän

Aber selbst wenn Doskozil nicht alles wusste – seine Medienbeschimpfung und Wutausbrüche zeugen nicht von souveränem Krisenmanagement.

Und dass ihm in dieser Situation kein nennenswerter SPÖ-Politiker zur Seite springt und ihn verteidigt, spricht Bände über Doskozils schwindende Beliebtheit in der SPÖ.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.