Cartoon Illustration of Angry Businessman, Boss or Manager.

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Leitartikel
12/08/2021

#DerHassmussweg

Nicht nur beim Impfen betonieren sich Etliche immer mehr ein. Die Spaltung der Gesellschaft ist ein gefährliches Gift.

von Martina Salomon

Der neue Bundeskanzler nimmt das Wort „Dialog“ gerne in den Mund, und tatsächlich lebt eine Demokratie von verschiedenen Ansichten. Diese können und sollen manchmal ruhig aufeinanderprallen. Aber am Ende sollte der Kompromiss stehen oder zumindest die Akzeptanz von mehrheitlich gefassten Beschlüssen. Das war in den letzten Monaten nicht mehr so.

 

Nach den aggressiven Rufen #Kurzmussweg (danach #SystemKurzmussweg) geht es schon munter weiter: Über die neue, junge Staatssekretärin Claudia Plakolm ergoss sich eine sexistische Hasswelle. Und den Neo-Innenminister attackierte sogar der Koalitionspartner. (Was würden – umgekehrt – die Grünen sagen, wenn man rein theoretisch zum Beispiel die Justizministerin als Marionette ihres früheren Mentors Peter Pilz denunzieren würde?) Irgendwas kann man ja immer ausgraben, in diesem Fall war es ein Dollfuß-Museum in der Heimatgemeinde von Gerhard Karner. Klar, das 34er-Jahr hat in der Debatte gerade noch gefehlt.

#Kicklmussweg tönt es erstaunlicherweise nicht (weil sich etliche der lautesten Schreier eine alternative Koalitionsoption offenhalten wollen?). Dabei ist die FPÖ mit ihrer Anti-Impf-Kampagne an der derzeitigen Misere in einem hohen Maß mitbeteiligt. Zu Zeiten Jörg Haiders hat man vom „Verfassungsbogen“ gesprochen – daraus hat sich die Partei eindeutig entfernt. Leider betonieren sich wegen der Impfpflicht gerade viele (Esoteriker, Rechte, Ängstliche) ein – wobei Demonstrationen vor Spitälern besonders skandalös sind. Rückblickend wäre es besser gewesen, die Pflicht nur für das Medizin-, Pflege- und Schulpersonal einzuführen. Aber da waren offenbar die jeweiligen Gewerkschaften zu stark.

Hass und Verachtung quillt auch aus vielen (oft genug gesteuerten) Mails an Redaktionen. Die sozialen Medien sind da noch Brandbeschleuniger. Hoffentlich folgen der Gewalt der Worte nicht irgendwann auch Taten. Warum gibt es nicht längst eine Initiative #DerHassmussweg?

Wir leben in einem der reichsten und sichersten Länder der Welt (Sehnsuchtsort für Millionen Menschen auf anderen Kontinenten). Es gibt mehr Corona-Hilfen als anderswo, Schutzimpfungen werden einem nachgetragen, PCR-Tests sind für alle gratis (gibt es in dieser Art nirgendwo). Ja, wir hatten dennoch ein Staats-, aber auch ein „Volksversagen“. Die teils aggressive Ignoranz eines Teils der Bürger(innen) kann man „der Politik“ nicht in die Schuhe schieben. Auch viele wissenschaftliche Prognosen mussten revidiert werden. Daran trägt niemand „Schuld“. Das Virus war eben neu. Dass die Politik gerade jetzt so instabil ist, erleichtert die Pandemiebewältigung nicht. Wichtig wäre, die Spaltung zu überwinden (die es natürlich nicht nur in Österreich gibt). Aber das ist wohl nur ein frommer Wunsch am Marien-Feiertag.

Martina Salomon
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