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Trumps Iran-Deal: Ein Rettungsanker für die Hisbollah isoliert Israel

Zwischen den USA und Israel zeigen sich tiefe politische Risse. Ein Gastkommentar von Jacques Neriah.
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Die Nachricht von einem historischen Durchbruch zwischen den USA und dem Iran ging wie eine Schockwelle durch den Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete das Memorandum of Understanding im Schloss von Versailles (Bild oben). Kurz vor der offiziellen Vorstellung im Schweizer Bürgenstock-Resort feiert die Weltgemeinschaft den Deal. Er soll die Weltwirtschaft durch die Öffnung wichtiger Seewege entlasten.

Doch für Israel bedeutet dieses Abkommen eine schwere strategische Krise. Da die Vereinbarung den Libanon direkt einbezieht, bremst sie Israels Militär im Kampf gegen den Terror aus. Der Konflikt an der Nordgrenze wird eingefroren. Dadurch bleibt eine kampfbereite, durch den Iran unterstützte Hisbollah direkt vor Israels Haustür aktiv.

Lachender älterer Mann mit Glatze und schwarzem Pullover in einem Innenraum.

Jacques Neriah.

Israels Strategie durchkreuzt

Monatelang hielt die israelische Armee (IDF) den Südlibanon besetzt. Das Ziel war eine Pufferzone, um vertriebenen Bürgern eine sichere Rückkehr nach Nordisrael zu ermöglichen. Israel wollte erst abziehen, wenn die Hisbollah dauerhaft entwaffnet ist. Der Trump-Deal zerstört diesen Plan. Die USA schützen nun ungewollt die militärische Basis der Hisbollah.

Das theokratische Regime im Iran profitiert davon enorm. Denn Teheran behält sein hochangereichertes Uran, das iranische Raketenprogramm bleibt unberührt und die Unterstützung für Anti-Israel-Milizen geht weiter. Zudem erhält der Iran Zugriff auf rund 24 Milliarden Dollar an zuvor eingefrorenen Geldern. Mit diesem finanziellen Segen kann das Regime seine Verbündeten, wie die Hisbollah, problemlos weiter aufrüsten. Die Terrorgruppe wird den Waffenstillstand im Libanon als Sieg über den Westen inszenieren und ihre politische Macht in Beirut weiter festigen.

Diese Entwicklung belastet das traditionell enge Verhältnis zwischen den USA und Israel schwer. Der Streit über den Libanon sorgt für offene Risse im Verhältnis zwischen den beiden Staaten. Die Konfliktparteien interpretieren den Vertrag völlig unterschiedlich. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi betonte, dass jede israelische Präsenz im Libanon den Deal verletzt. Aus Teherans Sicht verhandeln die USA und Israel auf der einen Seite gegen den Iran und die Hisbollah auf der anderen Seite. Die USA weisen diese Sichtweise zwar zurück – der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, erklärte, das Atomabkommen und die Libanon-Frage seien getrennte Dinge – und auch Israels Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, stellte klar, dass Israel nicht aus dem Südlibanon weichen wird. Dennoch üben die USA massiven Druck aus: US-Vizepräsident JD Vance forderte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu vergeblich zu einem Truppenabzug auf. Trump zeigte sich beim G7-Gipfel unzufrieden mit Israel und warnte: „Ohne die USA gäbe es kein Israel.“

Trump schlug sogar vor, dass Syrien den Kampf gegen die Hisbollah übernehmen sollte, da Israels Kampagne zu lange dauere.

Folgen für die Region

Das Abkommen von Versailles schafft keinen echten Frieden, sondern kauft dem Iran und der Hisbollah lediglich Zeit. Für die Hisbollah ist der Deal sogar ein riesiger politischer Erfolg. Sie feiert den Ausgang als Sieg des „Achse des Widerstands“ gegen den Westen. Die schwache libanesische Regierung in Beirut verliert dadurch weiter an Macht.

Israel droht nun die Isolation. Sollte sich Jerusalem weigern, den Südlibanon fast vollständig zu räumen, könnte Washington die diplomatische Rückendeckung bei den Vereinten Nationen entziehen oder Waffenlieferungen drosseln.

Ohne US-amerikanischen Schutz könnte sich Israels Verteidigungslage drastisch verschärfen. Experten befürchten, dass Israel in Zukunft auf massive Präventivschläge setzen muss, um sich gegen einen drohenden Mehrfrontenkrieg zu wehren.

Indem die Stabilität der globalen Energiemärkte über die Sicherheitsinteressen Israels gestellt wird, bereitet der Westen unbewusst den Boden für den nächsten Konflikt in der Region. Die Waffenruhe könnte so ungewollt den Grundstein für einen noch größeren Krieg legen.

Zum Autor:
Jacques Neriah ist Spezialanalyst für den Nahen Osten am Jerusalem Center for Public Affairs. Zuvor arbeitete er als außenpolitischer Berater für Premierminister Rabin und war stellvertretender Leiter für Lagebeurteilung beim israelischen militärischen Nachrichtendienst.

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