© Ina Aydogan

Meinung Gastkommentar
08/02/2021

Das „N-Wort“ ist rassistisch. Hört auf, es zu relativieren!

Die gewaltvolle Dimension des Begriffes löst sich nicht in Luft auf, nur weil das Wort zitiert oder in einem Witz benutzt wird.

Bis heute wird in Österreich darüber gestritten, wann es in Ordnung ist, das N-Wort zu verwenden. Anders als im englischsprachigen Raum taucht der Begriff bei uns unzensiert in Presse, Politik und Wissenschaft, im Unterricht und selbst in Kinderbüchern auf.

Wie selbstverständlich wird er nicht nur von Rechten und Konservativen, sondern sogar von linken Chefredakteuren verteidigt. Und das, obwohl die Schwarze Community in Österreich seit Jahrzehnten fordert: „Wir wollen den Begriff nicht mehr hören!“ Statt dieser Forderung entgegenzukommen, wird häufig behauptet: „Früher war das Wort ein neutraler Begriff“. Viele glauben, das N-Wort ist erst seit kurzem ein rassistisches Schimpfwort und bezeichnete in der Vergangenheit bloß die Hautfarbe.

Negativ konnotiert

Dabei lautet die Antwort der Sprachwissenschaft schon seit langem: Das N-Wort war im deutschsprachigen Raum von Anfang an negativ konnotiert. Der Begriff wurde im Kolonialismus auf den Menschen übertragen, also in einer Zeit, in der Schwarze Menschen als minderwertig, primitiv und animalisch angesehen und systematisch versklavt wurden.

Dass das Wort eine abwertende Bedeutung hat, beweist uns die deutsche Sprache auch mit ihren Wendungen: „N**** sein“ bedeutete in der österreichischen Umgangssprache „pleite sein“, „N****-Schweiß“ war schlechter Kaffee, und wer „dastand“ „wie der letzte N****“, hatte mit einem niedrigen Status in der Gesellschaft zu kämpfen.

Auch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache zeigt in der größten deutschsprachigen Sammlung von historischen Textstellen zum N-Wort, dass der Begriff in den Quellen typischerweise in Verbindung mit den negativen Adjektiven­­­ dreckig, primitiv, faul, unterdrückt, betrunken, nackt, verrückt und arm erscheint.

Damit könnte die Diskussion eigentlich schon beendet sein: Das Wort war niemals neutral und sollte deshalb nicht wiedergegeben werden. Die gewaltvolle Dimension des Begriffes löst sich nicht in Luft auf, nur weil das Wort zitiert oder in einem Witz benutzt wird.

Rassistischer Gebrauch

Wir müssen uns also fragen, warum verteidigen so viele Menschen diesen rassistischen Sprachgebrauch? Wieso wird die Meinung der Schwarzen Community weiterhin nicht respektiert? Wir dürfen nicht vergessen, dass Schwarzen Menschen mithilfe von Rassenideologien lange Zeit die Urteilsfähigkeit abgesprochen wurde. Auch heute werden Schwarze Menschen als irrational und überemotional dargestellt, wenn sie sich gegen den Begriff zur Wehr setzen. Die N-Wort-Debatte wird meistens über Schwarze geführt und nicht mit Schwarzen.

Und so bleiben weiße Menschen EntscheidungsträgerInnen darüber, wie Schwarze Menschen bezeichnet werden sollen. Das können wir ändern, in dem wir Selbstbezeichnungen ernst nehmen und rassistische Begriffe wie das N-Wort zensurieren. Das ist keine überzogene Political Correctness und keine Einschränkung unserer Sprache, sondern ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung. Wir haben mehr zu gewinnen als zu verlieren, wenn wir das N-Wort nicht verwenden.

Mireille Ngosso ist Ärztin und Aktivistin der Black Live Matters-Bewegung. Sie ist auch Abgeordnete der SPÖ.

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