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Meinung Gastkommentar
10/27/2021

Auch Schulen brauchen Hilfe

Einzelkämpfer kommen zunehmend unter die Räder

Sie haben einen Bildungsauftrag, geben Kindern das Fundament für die berufliche Zukunft mit, sind Management, Vertrauens- und Bezugspersonen. Sie müssen den täglichen Spagat zwischen Unterricht, Administration und Leitung sowie Vorgaben „von oben“ und den Wünschen der Kinder und deren Eltern schaffen: Die 5.500 Schulleiter*innen und knapp 130.000 Lehrkräfte in Österreich haben einen fordernden Job. Intellektuell wie emotional. Dazu stellt die Pandemie alle auf die Probe.

Viele fühlen sich in diesen fordernden Zeiten allein gelassen. Welche gefährlichen Folgen eine ausbleibende Unterstützung haben kann, sehen wir aktuell im Pflegebereich: vier von fünf Beschäftigten überlegen, zu kündigen – einfach, weil die psychische Belastung zu groß wird.

Wollen wir so eine Situation auch an den Schulen? In vielen Sozialberufen bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits mehr Unterstützung. Supervision und Coaching können einen geschützten Rahmen schaffen, um z.B. durch Selbstreflexion Belastungen zu erkennen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und die psychische Widerstandskraft zu steigern. Diese Selbstreflexion ist in vielen Sozialberufen selbstverständlicher Teil der Ausbildung, um besser mit den beruflichen Belastungen umgehen zu lernen. Bei Lehrerpersonal und Schulleiter*innen gehört Selbstreflexion nicht verpflichtend zur Ausbildung oder zum Berufsalltag.

Darum sind sie noch mehr auf Unterstützung von außen angewiesen, um mit beruflichen Herausforderungen umzugehen. Auch die Kooperation innerhalb einer Schule und die Zusammenarbeit steht im Fokus von Supervision und Coaching und könnte der „Einzelgänger-Mentalität“, die diesen Berufen innewohnt, entgegenwirken.

Schon während der Ausbildung wird den angehenden Lehrer*innen und Schulleiter*innen vermittelt, dass sie ihre Arbeit vor Blicken von außen schützen müssen. Außerdem herrscht ein gewisses Stigma: Wer Unterstützung in Anspruch nimmt, zeigt Schwäche. Auch die Sichtbarkeit von unterstützenden Angeboten für den Schulbereich muss verbessert werden. In einigen Bereichen funktioniert das schon sehr gut, da ist Selbstreflexion aber auch Teil der Ausbildung oder Supervision wird – wie in Krankenhäusern – verpflichtend angeboten. Dass es z.B. Supervision und Coaching gibt und was diese bringen, ist vielen gar nicht bekannt. Werden diese Konzepte aber vorgestellt, ist das Interesse enorm. Zur flächendeckenden Versorgung fehlen den Bildungsinstituten dann aber die finanziellen Mittel. Durch diese schlechten Rahmenbedingungen werden Schulleitungen und Lehrkräfte erst auf die Angebote aufmerksam, wenn sie schon in einer Krise stecken oder diese vorbei ist.

Michaela Judy ist Vorsitzende der Österreichischen Vereinigung für Supervision und Coaching (ÖVS).

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