Meinung | Fußball-WM
20.06.2018

Tagebuch: Während Messi spielt, singt Krankl für die Gruft

Der Matchwinner von Córdoba gibt auch 40 Jahre nach dem 3:2 gegen Deutschland den Ton an.

Argentinien gegen Kroatien. Barcelona-Superstar Lionel Messi gegen Barcelona-Star Ivan Rakitic.

Hans Krankl wird dieses Aufeinanderprallen von Spielern seines Lieblingsklubs versäumen. Der einstige Barcelona-Schützenkönig gibt morgen, Donnerstagabend, zu gleicher Zeit selbst den Ton an. Aus nostalgischem Grund und für einen karitativen Zweck: Für Licht ins Dunkel und die Gruft. Für die Obdachlosen-Einrichtung der Caritas.

Anlässlich des 40. Jahrestages von Córdoba, dem 3:2 gegen Deutschland, lädt Krankl seine ehemaligen WM-Mitstreiter plus 400 zahlende Gäste ins Metropol nach Hernals. Dort spielt Johann K. mit seiner Kultband Monti Beton auf.

Mit Ausnahme von Willy Kreuz, der bei der WM 1978 wie Friedl Koncilia, Robert Sara und Bruno Pezzey ( † 31. 12. 1994) von südamerikanischen Medien in Weltauswahlen berufen worden war und sich jetzt – eine Spätfolge seines intensiven Spielstils – zum dritten Mal einer Hüft-OP unterziehen muss, erhielt Krankls Organisator Ferdinand Weiss keine Absage. Zumal mit Ausnahme von Sara (der gemeinsam mit Andreas Ogris die Austria Amateure soeben in die neue zweite Bundesliga gebracht hat) niemand (Fußball-)beruflich unabkömmlich ist. Sich keiner der Córdoba-Helden den Trainerjob antut. Bzw. bei gegenwärtigen Entscheidungsträgern auch nicht mehr gefragt ist. Was Walter Schachner empört.

Wenn wie Marko Arnautovic auch kaum ein anderer seiner Generation das Wort Córdoba mehr hören will, ist das verständlich. Schließlich gibt es eine derartige Inflation an TV-Fußball-Höhepunkten, dass der Konsument schon Mühe hat, sich die Namen der aktuellen Ausnahmekicker zu merken.Zudem werden einstige Wunderteams durch diverse TV-Konserven entglorifiziert.

„Papa, warum zeigen die von Euch alles nur in Zeitlupe?“, wurde nicht nur Josef Hickersberger, sondern auch so manch anderer Altstar von seinem kritischen Junior gefragt, wenn der ORF Einblick in sein Länderspielarchiv gewährte.

Abgesehen davon, dass mittlerweile die Kickerei von leichterem Schuhwerk, besseren Bälle, gesünderer Ernährung, den neuesten sportmedizinischen Erkenntnissen und einer gezielten Trainingssteuerung profitiert, ist ein Generationenvergleich auch TV-technisch unseriös.

Aus Córdoba wurde 1978 mit neun Kameras übertragen. In Russland sind es bei jedem WM-Spiel vier Mal so viele. Weshalb selbst Durchschnittspartien drei Mal attraktiver wirken.

Einer wie Krankl wäre auch heute im Bilde. Wäre auch heute Weltklasse. Vorausgesetzt, er würde sich von Laptop-Trainern nicht entnerven lassen. Und gelegentlich auch einen Rat besser ausgebildeter Besserwisser annehmen. So wie das angeblich sogar Messi tut.