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WM-Abreise wegen Geburt des Kindes: Größer als Fußball

Jeremy Doku erlaubte sich, zur Geburt seines ersten Sohnes zu reisen und erntete Applaus, aber auch Kritik. Der Fall zeigt die Strahlkraft der WM.
Karoline Krause-Sandner
FIFA World Cup 2026 - Group G - Belgium v Egypt

Jeremy Doku ist wieder in Seattle. Der belgische Offensivspieler hatte am Sonntag gegen den Iran gefehlt – offiziell wegen Krankheit. 

Am Montag kam er in London an. Er begleitete dort seine Frau bei der Geburt des gemeinsamen ersten Sohnes, Praise. Vielerseits gab es Unterstützung für den 23-jährigen Fußballprofi. Doch auch Kritik wurde laut, er würde sein Team im Stich lassen. Für große Empörung sorgte die Aussage der französischen TV-Kommentatorin France Pierron vom Sender L’Équipe. Sie argumentierte, eine WM sei ein einmaliges Erlebnis, und bezeichnete eine Geburt als „widerlichen Moment“, bei dem Väter „komplett nutzlos“ seien.

Dass Doku für die Reise kritisiert wurde, wirkt aus heutiger Sicht befremdlich. Denn er hat sich genau so verhalten, wie es sich viele Menschen von einem verantwortungsvollen Vater wünschen würden. Während Fußballerinnen für Regelungen kämpfen, die ihnen ermöglichen, während der Karriere ein Kind zu bekommen.

Gewaltige Strahlkraft

Umso erfreulicher war die Welle der Unterstützung, die folgte. Fans, Spieler und große Teile der Öffentlichkeit machten deutlich, dass Familie und Beruf keine Gegensätze sind. Nicht einmal auf der größten Fußballbühne der Welt.

Der Fall zeigt aber noch etwas anderes: wie gewaltig die Strahlkraft einer WM ist. Normalerweise wäre diese private Entscheidung eine Randnotiz geblieben. Während einer WM wird daraus eine globale Diskussion. Plötzlich wird über Vaterschaft, Prioritäten und gesellschaftliche Erwartungen debattiert – ausgelöst durch einen Spieler, den viele gar nicht kannten. Und trotzdem hatten sie eine Meinung. Weil es am Ende nicht um Fußball ging, sondern um etwas, das viele nachvollziehen können.

Die WM ist größer als Fußball. Sie ist ein globales Ereignis, das weit über Tore, Tabellen und Taktiken hinausreicht. Manchmal erinnert sie uns sogar daran, was im Leben wirklich wichtig ist. Genau das hat Jeremy Doku getan.

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