Meinung
23.05.2017

Freiheiten längst verloren

Die Terroristen treffen mit diesem Attentat das Herz einer Gesellschaft, die Familie.

Stefan Kaltenbrunner | über den Anschlag in Manchester

Was ist wohl im Attentäter vorgegangen, kurz bevor er die Bombe zündete, als er sah, wie Jugendliche, fast noch Kinder, aus der Konzerthalle in Manchester kamen? Vielleicht sah er noch in die glücklichen Gesichter, sah noch, wie sie sich freuten, auf einem Konzert ihres Idols gewesen zu sein. Wenige Sekunden später riss er 23 Menschen mit in den Tod. Es ist ein perfider und barbarischer Anschlag, für den sich keine Worte finden lassen. Europa erlebt eine neue Eskalationsstufe des Terrors, erstmals wurde gezielt ein Anschlagsziel ausgesucht, um bewusst Teenager zu töten. Den Terroristen geht es dabei nur noch um den größtmöglichen Schaden und um die größtmögliche Aufmerksamkeit, und sie treffen mit diesem Attentat das Herz einer Gesellschaft, die Familie. Und sie wollen, dass wir uns nirgendwo mehr sicher fühlen, nicht in der Einkaufsstraße, nicht am Flughafen, nicht am Bahnhof, nicht im Konzert.

Die Reaktionen auf Manchester werden sich wieder in Stereotype mit dem Grundtenor "Nein, wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen" üben. Das ist leider nur ein Wunschgedanke. Der Anschlag in Manchester hat gezeigt, wir haben schon längst ein großes Stück davon verloren.