Meinung
15.06.2017

Frecher Angreifer

Es liegt der Verdacht nahe, dass man den unliebsamen Konkurrenten von der Straße drängeln möchte.

Dr. Martina Salomon | über den Fahrdienstleister Uber.

Das System schlägt zurück: Uber hat weltweit das Taxler-Gewerbe aufgemischt. Daher steht das Milliarden-Unternehmen unter akribischer Beobachtung – und ist tatsächlich in Turbulenzen geraten. Der US-Fahrdienstleister verspricht nun, eine bessere Firma zu werden. Der Gründer und Chef Travis Kalanick hat ganz offensichtlich den Sprung vom Startup-"Nerd" zum Chef des weltweit größten Taxikonzerns nicht geschafft und nimmt eine Auszeit.

Die Liste der Vorwürfe gegen die Firma (die sich lieber als "Technologieplattform" sieht) reicht von Sexismus bis Ignorieren von Gesetzen. Dass der Uber-Chef einem Top-Beraterkreis von Donald Trump hätte angehören sollen, war für seine Gegner ebenfalls ein willkommener Anlass, um zum Boykott aufzurufen. Worauf sich Kalanick aus dem Gremium wieder zurückzog.

Schutz vor Wettbewerb

Keine Frage: Die Methoden von Uber waren gelegentlich zumindest unsensibel. Dennoch liegt der Verdacht nahe, dass man den unliebsamen Konkurrenten mit allen Mitteln von der Straße drängeln möchte. Auch in Österreich tobt diese Schlacht, und die Systemerhalter haben gerade einen Punkt gemacht: Eine einstweilige Verfügung verbietet Uber-Fahrern (nicht aber Taxlern), bei einer Rückfahrt neue Kunden aufzunehmen. Die Taxibranche hatte wegen Wettbewerbsverzerrung geklagt.

Hierzulande stößt die App auf ein überreguliertes Innungswesen, das vor Konkurrenz schützt und sogar in der Verfassung (!) verankert wurde. Obwohl man sich – speziell in Wien – schon manchmal fragt, in welcher Lotterie der Taxler seine Lizenz gewonnen hat. Jeder zweite hat den Stadtplan nicht im Kopf, oft riecht der Wagen nach abgestandenem Zigarettenrauch, man wird ungefragt mit Popmusik beschallt und kriegt als Gratis-Draufgabe noch die politische Meinung des Fahrers serviert. Und versteht irgendwer die Absurdität, dass vor dem Flughafen Wien nur Taxler aus Schwechat stehen und damit Kunden teurer als Wiener Taxis in die Stadt befördern dürfen? Apropos Preis: Dieser ist kaum wo so transparent (und so niedrig) wie bei Uber.

Bei der Bahn hat der Konkurrent Westbahn – dem man auch viele Steine auf die Gleise legte – der ÖBB "Beine" gemacht. Wettbewerb belebt das Geschäft und erhöht die Qualität für Kunden. Bei den meisten Taxis warten wir noch darauf.