über Turbulenzen in der Zeitungsbranche
12/07/2012

"Final Times" für den Qualitätsjournalismus?

von Martina Salomon

Allerdings ist anzumerken, dass Medien häufig an der Wirklichkeit der Menschen vorbeileben.

Dr. Martina Salomon | über Turbulenzen in der Zeitungsbranche

Final Times“: Mit diesem Titel erschien am Freitag die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland. Zeitungen sind Krisenbarometer. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sie in Turbulenzen geraten, noch bevor es andere Branchen „erwischt“. Doch was sich jetzt am Medienmarkt abspielt, geht tiefer. Newsweek ist Geschichte. Selbst journalistische Leuchttürme wie die FAZ haben ein Riesen-Defizit. Apple und Google erwirtschaften hohe Gewinne. Aber jene Kreativen, die den Inhalt dafür liefern, sind zunehmend in ihrer Existenz gefährdet, wozu auch der Musik- und Büchermarkt zählt.Selbst Innovationen scheitern momentan. Rupert Murdoch stellt nach kaum zwei Jahren sein Daily wieder ein – eine Zeitung, die ausschließlich für das iPad konzipiert war. Vielleicht war er einfach zu früh dran. Leser sind noch kaum bereit, für digitale Informationen zu zahlen. Künftig werden Zeitungen daher wohl eine Art Gemischtwarenhandlung sein (müssen): Wer es schafft, Leser mit kostenpflichtigen Service-Angeboten anzulocken, kann in seinem (digitalen) Bauchladen auch Nachrichten, Kommentar und Analyse anbieten.

Perfiderweise haben jene (Gratis-)Zeitungen die besten Überlebenschancen, die ihren Inserenten nach dem Mund schreiben. Dorthin floss in den letzten Jahren viel Inseratengeld, vor allem jenes der Politik. Das hat die Glaubwürdigkeit von Medien und Politik gleichermaßen beschädigt. Leser vermuten mittlerweile oft ziemlich unbegründet, dass Journalisten nicht mehr die „Wahrheit“ schreiben dürfen. Selbstkritisch ist allerdings anzumerken, dass Medien häufig an der Wirklichkeit der Menschen vorbeileben. Der KURIER bemüht sich – im Gegensatz dazu – Anwalt seiner Leserschaft zu sein. Das wurde mit stabiler Reichweite honoriert. Wir bleiben dran.

Doch wie die Medienlandschaft in zwei, drei Jahren aussehen wird, kann niemand voraussagen. In einer globalisierten Welt mit ihrer unglaublichen Informationsflut wird seriöser Journalismus (egal, wo er publiziert wird) mehr denn je gebraucht. Der Bürger, der im Netz nur noch auf Inhalte stößt, die die Freunde „sharen“, schafft sich seine eigene Welt, die mit der da draußen möglicherweise gar nichts mehr zu tun hat. Er wird immer manipulierbarer – denn die digitalen Plattformen kennen sein Konsumverhalten, seine Vorlieben, Neigungen und politische Haltungen beängstigend genau.Qualitätsmedien wiederum können nur überleben, wenn sie die Sorgen ihrer Kunden ernst nehmen, mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren. Und wenn Leser bereit sind, für wertvolle Inhalte auch zu zahlen.

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