über ein Kopftuchverbot
01/06/2017

Ethik statt Kreuz und Kopftuch

Integrationsminister Sebastian Kurz will das Kopftuch in Schulen verbieten, das Kreuz soll hängenbleiben. Das ist wenig konsequent und hat mit Integration relativ wenig zu tun.

von Stefan Kaltenbrunner

Ein Kopftuchverbot an Schulen ist nichts anderes als ein guter Marketingschmäh.

Stefan Kaltenbrunner | über ein Kopftuchverbot

Wie das Amen im Gebet poppt alle paar Monate die Burka- oder Kopftuchdebatte auf. An vorderster Front steht hier Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz, der ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst jetzt sogar in das Integrationsgesetz aufnehmen will. Für äußerst sinnvoll hält er das vor allem an Schulen, da es dort ja schließlich um die Vorbildwirkung und die Einflussnahme auf junge Menschen gehe, so der Minister sinngemäß. Das Kreuz im Klassenzimmer könne hingegen ruhig hängenbleiben, weil es, zumindest der Logik von Kurz und seiner Partei folgend, mittlerweile zur historisch gewachsenen Kultur in Österreich gehöre.

Was immer das auch heißen mag, und abgesehen davon, dass außer im islamischen Religionsunterricht (und das sind meistens auch nur Männer) kaum Lehrerinnen mit Kopftuch an Österreichs Schulen unterrichten, ist es wenig konsequent, das eine Religionssymbol in den staatlich verordneten Verbotekatalog aufzunehmen und das andere nicht. Aber natürlich: Ein guter Marketingschmäh ist es schon.

Dass die Ablehnung des Kreuzes bei Eltern und Schülern um ein Vielfaches höher sein dürfte als dem Minister lieb ist, sei nur nebenbei erwähnt. Hierfür müsste man sich nur die Anzahl jener Schüler ansehen, die keinen Religionsunterricht mehr besuchen, oder sich die Statistik der Kirchenaustritte ansehen. Also wenn schon ein Verbot, dann sollten Religionen an Schulen, wie zum Beispiel in Frankreich, komplett außen vor gelassen werden.

Das Konkordat, also jener Vertrag, der zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl in Rom bis an des Ende aller Tage abgeschlossen wurde, und der unter anderem der Kirche das Recht einräumt, in Schulen Religion unterrichten zu dürfen, macht das freilich unmöglich. Aber natürlich gäbe es genug andere integrative Maßnahmen, abseits von sinnlosen Verboten. Die muss man halt nur wollen. Ein Vorschlag wäre parallel zum Religionsunterricht einen gemeinsamen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler einzuführen, und das schon ab der 1. Klasse Volksschule.

Ethik oder Soziale Orientierung wird gegenwärtig nur an manchen Schulen als Versuch angeboten, und das auch erst ab der Oberstufe. Hier könnte durch eine kluge und weltoffene Pädagogik das Gemeinsame und nicht das Trennende zwischen den Religionen gefördert und kulturelle Barrieren schon im Kindesalter überwunden werden. Das kostet natürlich Geld, aber es wäre gut und nachhaltig angelegt. Aber Letzteres ist bekanntlich keine politische Kategorie.

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