Meinung
15.03.2018

Entbanalisiert Euch!

Mit Hawking droht eine Zeit zu Ende zu gehen, in der Wissen, Bildung und Elite hoch geschätzt wurden.

Denken ist geil – nehmen wir das mit von ihm.

Gert Korentschnig | über Stephen Hawiking

Stephen Hawking wurde genau am 300. Todestag von Galileo Galilei geboren. Und er verabschiedete sich in sein geliebtes Universum am Geburtstag von Albert Einstein (dem 139.), der übrigens auch der inoffizielle Tag der Zahl Pi ist. Warum diese Zahlen wichtig sind? Weil sie spürbar machen, welches Genie von uns gegangen ist: Der vielleicht größte, sicher aber bekannteste Wissenschaftler seit Einstein.

Was Hawking so groß gemacht hat, war selbstverständlich seine Forschung. Obwohl er in der Öffentlichkeit, im Zeitalter der Banalisierung, allzu oft auf seine Krankheit und sein Leben im Rollstuhl reduziert wurde. Er war aber auch ein Wissenschaftler, der keine Berührungsängste mit großem Publikum, also mit der Populärkultur, hatte. Er war ein Astrophysiker für das Stadion und nicht für den Elfenbeinturm. Darüber hinaus besaß er viel Humor, wie alle, die ihn kannten, berichten.

Früher waren Dichter und Denker, Philosophen und Wissenschaftler oft die großen Vorbilder. Heute sind es zumeist jene, die vom Fernsehen zu Superstars gemacht werden. Das Urteil der "DSDS"-Jury ist für viele wichtiger als jenes von Hochschulprofessoren. Mit Hawking droht eine Zeit zu Ende zu gehen, in der Wissen, Bildung und Elite – ja, ELITE! – hoch geschätzt wurden.

Populisten wie Trump waren für ihn natürlich keine intellektuellen Gegner. Und dennoch war er ihnen ein zentraler Antipode. Weil er an Urteilen arbeitete und nicht an Vorurteilen. Weil bei ihm ein Gedanke so kompliziert sein durfte, dass er nicht in einen Tweet passt. Und weil bei ihm die Grenzen höchstens irgendwo draußen im Weltall lagen und nicht beim eigenen Zaun. Denken ist geil – nehmen wir das mit von ihm.