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Wolfgang Unterhuber

© Kurier

Meinung
08/27/2021

Debatte um Arbeitslose sollte nicht ideologisch geführt werden

Arbeitslosigkeit ist ein schwerer Schicksalsschlag. Umgekehrt kann man sich aber auch eine soziale Hängematte einrichten.

von Wolfgang Unterhuber

Wer in seinem Arbeitsleben schon einmal die Botschaft erhalten hat, dass er/sie gekündigt wird, wird sicherlich nicht freudig jauchzend davongeeilt sein. Arbeitslosigkeit ist ein schwerer Schicksalsschlag und verursacht enormen Druck und Stress. Besonders dann, wenn eine Familie zu ernähren ist und Kredite abzuzahlen sind.

Das muss angesichts der aktuellen Debatte um mögliche Kürzungen des Zuverdienstes erwähnt werden. „AMS-Kunde“ ist für die meisten Menschen in diesem Land kein Traumjob.

Dramatischer Einkommensverlust

Es gibt aber auch eine andere Wahrheit. Man kann hierzulande in der Arbeitslosigkeit überleben. Inklusive Sozialhilfe und Wohnbeihilfeleistungen kommt man auf 60 Prozent seines letzten Nettobezugs. Das ist zwar umgekehrt ein dramatischer Einkommensverlust von 40 Prozent – aber man muss nicht zum Lunch in die Armenküche. Gut also, dass wir in so einem Land leben.

Eine weitere Wahrheit ist, dass die oft zitierte „soziale Hängematte“, von den Lebensumständen abhängt. Interessant ist in dem Zusammenhang die Entwicklung der Schattenwirtschaft. Laut einer Studie des Linzer Ökonomen Friedrich Schneider ist diese im Covid-Jahr 2020 um mehr als zwölf Prozent auf 25,7 Milliarden Euro gestiegen.

Zusätzlicher Pfusch

Das Fazit von Schneider ist nachvollziehbar: Einkommensverluste werden durch zusätzlichen Pfusch kompensiert. Und: „Jeder der kann, arbeitet also schwarz.“ Freilich: Pfusch ist auch Arbeit. Aber ohne Pensionsanspruch. Es steht also jedem frei, solche Menschen zu beneiden oder eher doch nicht.

Was also tun, wenn es aktuell 344.000 Arbeitslose gibt und zugleich 113.000 offene Stellen, um die aber kein Griss herrscht? Und was tun, wenn ein möglicher neuer Job ein geringeres Einkommen bringt, als man in der „Arbeitslosen“ erhalten hat?

Dazu die wohl bitterste Wahrheit: Die eine supertolle Lösung, die alle Probleme beseitigt, gibt es nicht. Kürzt man die „Arbeitslose“, wird man einen gewissen Teil der arbeitslosen Menschen in eine schlechter bezahlte Arbeit zwingen können. Aber das Problem an sich löst man damit nicht.

Ruin für Unternehmen

Auch eine Erhöhung der KV-Mindestlöhne bringt nichts – außer man will die Unternehmen in den Ruin treiben.

Das große Problem ist, dass das Thema Arbeitslosigkeit hierzulande ideologisch diskutiert wird. So dreht man sich seit Jahrzehnten im Kreis. Schon vor Covid fehlten Zigtausende Fachkräfte. Sozialpartner, zuständige Experten und Politiker sind also aufgefordert, das Thema endlich pragmatisch anzugehen. Als Ausgangspunkt für eine Lösung dazu eine letzte Wahrheit: Um arbeitslose Mitmenschen zu unterstützen, braucht es genug Unternehmer, die genug Netto-Steuerzahler beschäftigen.

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