Meinung
22.05.2017

Donald von Arabien

Donald Trumps erste Reise führte ihn nach Saudi-Arabien. Dort hielt er eine Rede zum Islam, die vielfach gelobt wurde. Dazu besteht freilich kein Grund.

Über den Islam hat Trump dann nicht wirklich gesprochen, sondern die Welt in Gut und Böse eingeteilt.

Stefan Kaltenbrunner | über Trumps Islam-Rede

Am Ende war alles nicht so schlimm, wie man es anfänglich befürchten musste. Bei seiner ersten Auslandsreise besuchte Donald Trump Saudi-Arabien, verkaufte dort für 110 Milliarden Dollar Waffen, und hielt eine mit Spannung erwartete Rede zum Islam. Trump, der bislang wenig als Freund der islamischen Welt aufgefallen wäre, hielt sich für seine Verhältnisse erstaunlich zurück. Eine "inspirierende, aber direkte Rede zum Islam" hatten seine Sprecher angekündigt.

Über den Islam hat Trump dann nicht wirklich gesprochen, vielmehr hat er seine sehr einfache Sicht der Dinge dargelegt, das heißt, die Welt in Gut und Böse eingeteilt. Den Islam nannte er irgendwie die Brutstätte des Terrors, Extremisten müssten mit aller Gewalt bekämpft werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, und das wird wohl jeder unterschreiben. Dass er seine Ansprache gerade in Riad vor rund 50 Führern der islamischen Welt hielt, von denen nur eine Handvoll demokratisch gewählt wurde und von denen die meisten autokratisch regieren und Oppositionelle vornehmlich in Gefängnisse einsperren, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Fakt ist doch, dass in den meisten muslimischen Ländern die Bevölkerung weniger unter dem Terror leidet, sondern vielmehr an Massenarbeitslosigkeit, mangelnder Bildung, Korruption, Vetternwirtschaft und einer katastrophalen Wirtschaftslage. Das alles hat Trump in seiner Rede nicht erwähnt, vielmehr meinte er, dass er nicht gekommen sei, sich in innere Angelegenheiten einzumischen, oder den Muslimen gar vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.

Immerhin rief er zu mehr Toleranz auf, wenngleich das in einem Land, das Frauen nicht hinter das Steuer lässt, und in dem jeder noch so kleine Verstoß gegen die religiösen Sitten im besten Fall mit Peitschenhieben, im schlechtesten mit der Enthauptung geahndet wird, wohl eher nur als Stehsatz in seine Rede eingebaut wurde, und den Saudis nur ein müdes Lächeln entlocken konnte. Trumps Redenschreiber dürften auch vergessen haben, dass gerade die USA mit ihren Kriegseinsätzen in Afghanistan und Irak den Aufstieg islamistischer Kräfte in der gesamten Region befeuert haben. Und vielleicht ist Trump auch entgangen, dass seine wiedergewonnenen Freunde wie Saudi-Arabien und die Golfstaaten viele radikale Gruppen finanziell unterstützen. Geschenkt.

Für die Saudis und seine Verbündeten war Trumps Besuch ein doppelter Jackpot, man kaufte ihm Waffen ab, um die eigene Macht mit noch mehr Gewalt einzementieren zu können. Trump hat den Autokraten dafür einen Persilschein ausgestellt, sie können unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung künftig noch rigoroser gegen Opposition, Minderheiten und Andersdenkende vorgehen. Mit Terrorbekämpfung hat das nur wenig zu tun, ganz im Gegenteil. Mehr Waffen haben noch keinen Konflikt gelöst.