Meinung
23.02.2018

Dieselfahrer zahlen unverdient die Zeche

Drohende Fahrverbote und Wertverluste als Folge eines Skandals, für den Autofahrer nicht die Schuld tragen.

Nicht nur Autos sind für die schlechte Luft verantwortlich.

Mag. Robert Kleedorfer | über Einschränkungen des Pkw-Verkehrs

Ob es zu Diesel-Fahrverboten in deutschen Städten kommt, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nächste Woche. In Österreich traut sich offenbar politisch niemand (mit Ausnahme der Grünen) drüber, zu groß wäre die Verärgerung bei den Wählern. Für die deutsche Autoindustrie wären Fahrverbote die nächste Schlappe. Wobei: VW-Vorstandschef Matthias Müller hat im Dezember für Aufsehen gesorgt, als er solche Verbote und das Aus für Steuererleichterungen beim Diesel forderte. Das brachte ihm unter VW-Besitzern nicht gerade Sympathien ein. Zuerst jahrelang schummeln und den Abgasskandal auslösen, dann sich in Europa mit Händen und Füßen gegen Entschädigungen wehren und zuletzt auch noch die Bestrafung der eigenen Kunden, die auf den Ökoschmäh reingefallen sind, befürworten.

Natürlich ist der Dieselbonus beim Tanken eine zweischneidige Sache. Einerseits ist die geringere Besteuerung mittlerweile nicht mehr gerechtfertigt, da der Diesel bezüglich Umweltschutz kaum Vorteile hat. Andererseits würde ein höherer Preis den Tanktourismus in Österreich zum Erliegen bringen und damit den Finanzminister um Mehreinnahmen bringen.

Und eine höhere Steuer würde auch in diesem Fall viele Wähler verprellen. Denn Dieselkäufer haben oft darauf vertraut, dass der höhere Kaufpreis durch niedrigere Spritpreise im Laufe der Jahre mehr als kompensiert wird. Sie müssen ohnehin schon unverschuldet einen Wertverlust bei ihren Fahrzeugen infolge des Abgasskandals schlucken.

Wünschenswert wäre, die Schadstoff-Debatte wieder zu versachlichen. Ja, die Autoindustrie hat ziemlich Mist gebaut. Aber nicht jeder Pkw ist ein Stinker, und bei Weitem sind nicht nur Autos für die schlechte Luft verantwortlich.