über die EURO 2016
06/04/2016

Die Wochen der Wahrheit

Bereits in der Vorbereitung auf ein großes Turnier kann vieles falsch gemacht werden. Worauf es ankommt.

von Paul Scharner

Zwischenmenschliche Probleme können auch auf dem Rasen nicht ausgeblendet werden

Paul Scharner | über die EURO 2016

Vor dem Start der Europameisterschaft in Frankreich steht für mich eine Frage im Vordergrund: Wie sehr wurden die internationalen Stars bei ihren Klubs überbeansprucht? Wie viele werden mit Wehwehchen, Verletzungen und Erschöpfung nach einer langen Saison zu kämpfen haben?

In der Vorbereitung auf das Turnier ist es für die Teamtrainer entscheidend, den richtigen Mix aus Regeneration, Spannungsaufbau und individuellen Einheiten zu finden. Abseits des Feldes ist es ganz wichtig, Ziele festzulegen. Auf unser Nationalteam bezogen hoffe ich, dass diese nicht zu niedrig angesetzt werden.

Denn es wäre ganz schwierig, während des Turniers die Ziele nochmals hochzuziehen, wenn die niedrige Hürde übersprungen wurde.

Ein Beispiel dafür sind die Chilenen bei der WM 2014. Chile wollte "nur" das Achtelfinale erreichen, hatte offensichtlich aber mehr drauf. Sie haben sich selbst beschränkt und sind dann im Achtelfinale gegen Brasilien knapp ausgeschieden. Sie haben daraus gelernt und ein Jahr später die Copa América gewonnen.

Für den Turnierfahrplan gilt, dass der Start ganz besondere Bedeutung hat. Bei Österreich bin ich überzeugt, dass die Verfassung am Tag X gegen Ungarn passen wird.

Der Herzschlag

Roger Spry hat schon 2008 dafür gesorgt, dass unser Team das fitteste war. Ein Grund dafür sind die "Stresstests", die ich noch selbst erlebt habe. Athletikcoach Zallinger misst in der Früh bei allen Spielern den Puls. Die natürliche Unregelmäßigkeit beim Herzschlag sollte auch bei den Belastungen im Teamcamp erhalten bleiben.

Was nur wenige wissen: Ein zu gleichmäßiger Herzschlag ist ein schlechtes Zeichen, weil er übermäßigen Stress anzeigt. So habe ich das verstanden. In diesem Fall werden die Spieler aus dem Training rausgenommen oder nur individuell trainiert. So können Verletzungen verhindert und der optimale Leistungsaufbau garantiert werden.

All die Hilfsmittel sind aber bedeutungslos, wenn es um die zwischenmenschliche Balance geht. Ich glaube, es ist für Österreich ein Vorteil, dass die Ungarn über einen Monat zusammengezogen wurden. Viele sind so einen langen Zeitraum ohne Rückzugsmöglichkeit und Familie nicht gewöhnt.

Der berühmte Lagerkoller könnte einsetzen und die Leistungsfähigkeit herunterschrauben. Denn zwischenmenschliche Probleme können auch auf dem Rasen nicht ausgeblendet werden. Deswegen finde ich es gut, dass Teamchef Koller mehrere Ortswechsel, freie Tage und Kontakt mit den Spielerfrauen eingeplant hat. Es gibt derzeit ja gleich mehrere Babys, die sich nach ihren Vätern, den EM-Startern, sehnen. Im besten Fall entsteht im Teamcamp eine positive Stimmung wie bei einem Jungschar-Ausflug. Der möglichst lange dauern soll.

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