Meinung
20.11.2018

Die Verteidigung eines wahrgewordenen Traums

Ein Gastkommentar zum Thema Antisemitismus und Antizionismus und über den Staat Israel.

Herzls Vision eines jüdischen Staates wurde Realität, doch es bedarf gemeinsamer Anstrengung, dem neu erstarkten Antisemitismus und Antizionismus entgegenzutreten.

20 Minuten, dann war es vollbracht. Vor einer überschaubaren Anzahl von Zuhörern verkündete David Ben-Gurion am Freitag, dem 14. Mai 1948, die Unabhängigkeit des Staates Israel. Nur wenige Jahrzehnte zuvor, im Herzen der österreichischen Monarchie, wurde der Grundstein für einen eigenständigen jüdischen Staat gelegt: als Wunschvorstellung in den Werken Theodor Herzls.

Antisemitismus

Dieser junge, ambitionierte Journalist der Neuen Freien Presse erlebte bereits im Wien der Jahrhundertwende, dass der zunehmende Nationalismus keinen Halt mehr vor jenen Jüdinnen und Juden machte, welche sich ihrem Selbstverständnis nach dem säkularen Bürgertum zugehörig fühlten. Herzls Buch „Der Judenstaat“ erschien im Jahre 1896 und somit zu einer Zeit, bevor Europa in zwei Weltkriegen in Schutt und Asche gelegt und Juden in aller Öffentlichkeit gedemütigt, geschlagen, vertrieben, verschleppt und in Konzentrationslagern ermordet wurden. Unvorstellbares Leid war Israels Staatsgründung vorangegangen. Die Vision Herzls hat den Holocaust überlebt, doch auch deren Feinde: Antisemitismus und Antizionismus erleben gerade eine traurige Renaissance. Zum altbekannten, grölenden Antisemitismus von rechts sind neue Formen hinzugekommen: radikale Muslime, die in ihrer alten Heimat mit Judenhass indoktriniert wurden, propalästinensische Aktivisten, welche zum Boykott israelischer Waren auffordern, und radikale Linke, die Israel das Existenzrecht aberkennen.

Gerade angesichts dieser Entwicklungen ist die Konferenz „Europa jenseits von Antisemitismus und Antizionismus“, die auf Initiative des European Jewish Congress und Bundeskanzler Sebastian Kurz im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitz stattfinden wird, ein wichtiges Zeichen, dass Österreich sich nicht nur seiner historischen Mitverantwortung bewusst ist, sondern diese aktiv wahrnimmt und die Sicherheitsbedenken der jüdischen Bevölkerung ernst nimmt

– hier in Österreich und auch in Israel. Dieses Bekenntnis wird in Israel ausdrücklich begrüßt und wertgeschätzt. Herzl würde sich freuen

– nicht nur, dass seine Vision eines selbstständigen, modernen und demokratischen Staates Realität, sondern auch, dass der Schutz jüdischen Lebens zur Staatsräson seines Heimatlandes geworden ist.

Talya Lador-Fresher ist Botschafterin des Staates Israel in Österreich