Die verführerische Utopie vom Grundeinkommen

"Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt", sangen "Geier Sturzflug" anno 1983. Damals gab es weder Mobiltelefon noch Internet. Work-Life-Balance war ein Fremdwort – und niemand dachte daran, dass uns eines Tages die Arbeit ausgehen könnte. Doch jetzt sind viele Fabriken menschenleer, mit schlechter Ausbildung hat man kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Daher liebäugeln viele Politiker und Experten mit einem arbeitslosen Grundeinkommen. In Finnland ist gerade ein eher klein dimensioniertes Modellprojekt angelaufen, wobei sich die Skandinavier meist durch ein höheres Arbeitsethos auszeichnen als die Südländer – von Österreich abwärts.

Links-rechte Allianz

Bei der Unterstützung des Grundeinkommens treffen sich übrigens Linke mit "Ultraliberalen", wie Ulrich Kater, Chefvolkswirt der deutschen Dekabank, bei einem Vortrag in Alpbach feststellte: Die einen, weil sie finden, dass man damit Gerechtigkeit herstellen könne, indem man den Reichen nimmt und/oder den Staat höher verschuldet. Die anderen, weil sie damit den Staat abschaffen können, weil das Grundeinkommen sämtliche Leistungen ersetzen könnte (Arbeitslose, Pension, Krankengeld).

Doch Kater warnte nicht zu Unrecht vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft: In jene, deren Arbeitslast immer mehr steigt, und jene, die staatlich alimentiert daheim sitzen.

Tatsächlich stellen sich noch weitere Fragen, die die Unterstützer des Grundeinkommens nicht befriedigend beantworten können: Wenn es die Möglichkeit gibt, mit Staatsgeld den ganzen Tag Party im Park zu machen, wer wird dann den Mist wegräumen wollen? Fördern wir nicht Faulheit, Kriminalität und Schwarzarbeit? Werden Wirte ihre Gasthäuser zusperren müssen, weil sie weder Köche noch Kellner finden (ein Phänomen, das dank Mindestsicherung ohnehin schon zu beobachten ist)? Können wir uns ein noch höheres Anspruchsdenken an den Staat leisten? Zieht das nicht noch weitere unqualifizierte Massenzuwanderung ins Sozialparadies Europa an? Und würde das nicht bedeuten, dass die werktätige Mittelschicht mit noch höheren Abgaben belastet werden muss, damit wir uns diese vollkommene Umverteilung leisten können? Die Wahrheit ist – wie so oft – komplizierter: Ein Grundeinkommen wird für viele Bürger dieses Landes niedriger ausfallen müssen als die Summe der Leistungen, die sie jetzt beziehen. Sonst ist es nicht finanzierbar.

Kommunistisches Ideal

Auf dem Papier klingt so ein Grundeinkommen ja ähnlich gut wie die Idee des Kommunismus. In der Praxis hat der Mensch aber leider kein altruistisches Gemeinschaftsdenken, sondern ist oft gierig, neidig und egoistisch. Alle Versuche, ihn im Sinne schöner Ideale umerziehen zu wollen, endeten in Totalitarismus, Diktatur und Gewalt.

Wir müssen daher dafür sorgen, dass es neue, sinnvolle Jobs gibt – auch für jene, die nicht Programmierer, Altenbetreuer oder Hotelangestellte werden wollen (alles Mangelberufe). Und wenn man davon nicht leben kann, bessere Kombilohnmodelle aushecken. Es gehört zur Würde des Menschen, gebraucht zu werden. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine schöne Utopie – wie viele Utopien kann es aber in die Irre führen.

(kurier) Erstellt am
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