Meinung
11.09.2017

Die österreichische Lösung

Bei so viel Planlosigkeit beim Schutz vor Terror kann man nur froh sein, dass Österreich von diesem bisher verschont geblieben ist.

Julia Schrenk | über die Anti-Terror-Mauer

Auf dem Ballhausplatz hätte bis zur Wahl eine Mauer stehen sollen. Der mehr als 40 Meter lange und 80 Zentimeter hohe "Anprallschutz" hätte Terroristen aufhalten sollen, die mit einem Lkw in Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei rasen wollen.

Jetzt kann man darüber diskutieren, ob das Bauen einer Mauer und das Aufstellen von Pollern tatsächlich irgendwelche Terroristen davon abhält, unschuldige Menschen umzubringen. Und ob man, wenn das so ist, nicht auch zum Beispiel den Stephansdom einmauern müsste. Denn dort zieht es tatsächlich die Menschenmassen hin – Touristen wie Einheimische. Und der Logik vergangener terroristischer Anschläge zufolge, wäre wohl ein Anschlag auf der Kärntner oder Mariahilfer Straße wahrscheinlicher als einer auf den Sitz von Kanzler und Präsident. Aber sei’s drum: Die Regierung hat sicher schon Geld für Unnötigeres ausgegeben und Entscheidungsträger sollen in Krisensituationen handlungsfähig sein.

Das Erstaunlichste an dieser Mauer, die jetzt ja doch nicht kommt, ist ohnehin etwas anderes. Nämlich dass die nach harscher Kritik niemand verantworten will. Das Innenministerium erklärte, nur für Poller gewesen zu sein, der "Wunsch nach mehr Schutz" und einer Mauer sei aus dem Kanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei gekommen. Doch weder im Kanzleramt noch in der Präsidentschaftskanzlei konnte zunächst jemand beantworten, wer diese Mauer überhaupt haben wollte. Weder der alte noch der neue Bundespräsident hätten sie sich gewünscht. Auch der Kanzler wollte sie nicht, woraufhin der Kulturminister einen Baustopp erließ, der die Bauarbeiter aber am Freitag vorerst nicht davon abhielt, weiter zu bauen. Der vorläufige Letztstand in der Causa: Beamte haben den Mauerbau im Alleingang entschieden.

Österreichischer kann eine Lösung für ein hausgemachtes Problem gar nicht sein. Bei so viel Planlosigkeit beim Schutz vor Terror kann man nur froh sein, dass Österreich von diesem bisher verschont geblieben ist.