Relax in Vineyard

© Getty Images / grabi/istockphoto

Leitartikel
06/20/2021

Die neue 3-W-Regel

Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad rutscht die Maske unters Naserl. Auch das Händeschütteln kehrt zurück. Das Virus freut sich

von Christoph Schwarz

Am Montag beginnt der Sommer. Also zumindest der kalendarische. Aber auch das Virus, so hat es die Bundesregierung verordnet, hat ab dem 1. Juli Urlaub. Ab da könne in Österreich wieder sorglos gefeiert werden, lautet die jüngste türkis-grüne Frohbotschaft.

Die Österreicher beweisen, was die Lockerungsübungen angeht, jedenfalls schon vorauseilenden – oder ist es voreiliger? – Gehorsam. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad rutscht die Maske gerne mal unter das Naserl. Auch das Händeschütteln (samt verstohlenem Wangenbusserl) kehrt zurück. Und in immer mehr Lokalen gilt bei den verpflichtenden Kontrollen nicht mehr die 3-G-Regel, sondern die neue, deutlich sommerlichere 3-W-Regel: „Is ma wurscht“, „Wird scho passen“ und „Warum soll i des kontrollieren?“ Wer zuletzt öfter in der Gastro unterwegs war, weiß, wovon die Rede ist. Vielerorts wird der 3-G-Status gar nicht oder nur noch schlampig überprüft. Dem kurzen Pro-forma-Blick des Kellners oder Friseurs aufs Testzertifikat entgeht dann so manches.

Dieser Schlendrian ist in mehrerlei Hinsicht unverständlich:

Er untergräbt bei jenen, die noch nicht geimpft sind, die Testmoral. Und er passt so gar nicht zu den Beteuerungen der Gastronomen und Veranstalter, die im Lockdown vollmundig eigene Sicherheitskonzepte präsentierten und damit auf raschere Öffnungen drängten. Gepaart mit der infektiöseren Delta-Variante des Virus, die in Österreich und Europa auf dem Vormarsch ist, ist die neue Sorglosigkeit toxisch.

Ihnen kommt all das bekannt vor?

Verständlich. Um die aktuellen Entwicklungen bedenklich zu finden, muss man kein Paranoiker sein. Es reicht ein Blick zurück ins vergangene Jahr. Damals verspielte Österreich ausgerechnet in den Sommermonaten seine an sich gute Ausgangslage im Kampf gegen das Virus. Das Ergebnis war eine zweite Welle samt (mal weicherem, mal härterem) Dauer-Lockdown.

Dass uns ausgerechnet die Delta-Variante hitzebedingt verschnaufen lässt, ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Der Blick ins gar nicht so ferne Ausland – etwa nach Portugal oder Großbritannien – zeigt, dass sich die Lage rasch wieder verschlechtern kann. Nicht zuletzt, weil Wissenschafter herausgefunden haben wollen, dass die neue Mutation auch vor Erstgeimpften nicht Halt macht.

Was es jetzt braucht, ist – einerseits – (mehr) Augenmaß bei den Öffnungsschritten. (Erste Bundesländer, allen voran Wien und Kärnten, fordern dies bereits vom Bund ein.) Und andererseits mehr Achtsamkeit im Umgang mit den Regeln: Gerade wenn diese gelockert werden, ist es umso wichtiger, die verbliebenen Sicherheitsmaßnahmen genau zu kontrollieren und zu exekutieren. Dieser Appell richtet sich nicht nur an die Politik – sondern letztendlich an uns alle.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.