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Meinung
01/13/2020

Die Alten – eine neue Parallelgesellschaft?

Keine einzige der vielen bekannten Hürden für die Generation 65+ wurde im Regierungsprogramm aus dem Weg geräumt. Kolumne "Alt, na und?" von Ruth Pauli.

Alt sein heißt nicht, die Hände in den Schoß legen und geduldig darauf warten zu müssen, dass alles zu Ende ist. Still, stumm und unauffällig.

Oh nein. Ich möchte ja niemanden beleidigen, aber der Einfachheit halber setze ich den Begriff „alt“ für die Über-65-Jährigen ein (und ich weiß schon, dass es 20-Jährige gibt, die innerlich viel älter sind, genauso wie 79-Jährige, die man mit Fug und Recht „jung“ nennen könnte – vielleicht auch nur im Herzen). Diese sehr willkürliche Jahresgrenze ergibt sich aus dem gesetzlich vorgesehenen Alter, mit dem wir aus dem Arbeitsprozess ausscheiden sollten – aus dem „Aktivleben“, wie das bezeichnenderweise manchmal genannt wird (sind wir dann eigentlich im Passivleben, werden also gelebt?!).

Früher, vor vier, fünf Jahrzehnten, war vieles vielleicht anders, da war nach wenigen Jahren in tatsächlichem Ruhe-Stand und zurückgezogener Unsichtbarkeit das Leben vorbei. Heute hingegen haben wir in den meisten Fällen noch viele gute Jahre, die wir nach dem Arbeitsleben verbringen dürfen. Jahre, die ein Geschenk sind. Und die wir – „jünger“ geblieben als je eine Generation vor uns - aktiv gestalten können und wollen.

Aber nicht als Parallelgesellschaft.

Nur: dorthin scheint man uns drängen zu wollen