Meinung
06.05.2017

Der Weltuntergang kann warten

Armut und Arbeitslosigkeit sinken, der Bundespräsident entschuldigt sich, und wir könnten eine Fußballnation werden.

Dr. Martina Salomon | über die guten Nachrichten der Woche.

Only bad news are good news? Ja klar, damit haben wir Sie auch diese Woche reichlich gequält: der ewig gleiche Schulorganisationsreformbauchfleck, schwarz-rotes Vorwahlgeplänkel der dümmeren Sorte, ein hartes französisches TV-Duell, ein missglücktes Brexit-Dinner mit Theresa May und Jean-Claude Juncker, Prinz Philipp geht mit 95 Jahren in die verdiente Frühpension, und das Wetter ist auch noch zum Weinen.

Bevor Sie endgültig in Depression verfallen: Es gab mehr gute Nachrichten, als es scheint. So zeigt die jüngste Statistik aus Brüssel, dass die Armut in der EU sinkt – eine seit 1990 anhaltende Erfolgsgeschichte, die fast alle Teile der Welt betrifft. Manche Parteien und ihre Vorfeldorganisationen wollen uns (für ihre Existenzberechtigung) das Gegenteil weismachen. Glauben Sie es nicht.

Besser als unser Ruf

Hinterfragen Sie auch andere Statistiken. Zum Beispiel jene über die geringe Bildungsmobilität in Österreich. Sind Kinder von Nicht-Akademikern benachteiligt? Der Thinktank Agenda Austria hat die Zahl ausländischer Studienanfänger sowie die elterlichen Abschlüsse an Pädagogischen Akademien herausgerechnet – und siehe da: In Österreich stammen vergleichsweise viele Studierende aus Elternhäusern, wo keiner einen akademischen Abschluss hat– nämlich 67 Prozent. Auch die düsteren Arbeitsmarkt-Prognosen sind widerlegt: Im heurigen April waren um 2,6 Prozent weniger Österreicher arbeitslos gemeldet als noch vor einem Jahr. Aber die Digitalisierung killt doch alle Jobs? Bisher ist das Gegenteil der Fall: Österreich meldet jedes Jahr einen neuen Beschäftigtenhöchststand. Ja, das liegt auch an der steigenden Zahl an Teilzeitjobs. Aber ganz viele davon sind freiwillig, und die Summe der geleisteten Arbeitsstunden steigt ebenfalls. Wobei Wien endlich Eferding werden muss: Dort ist die Arbeitslosigkeit mit 3,5 Prozent nur ein Viertel so groß wie jene Wiens.

Am Freitag meldete RegioData außerdem eine höhere Kaufkraft der Österreicher. Inflationsbereinigt waren das 2016 statistische 37 Euro pro Monat mehr gegenüber 2015.

Sport-Sensationen

Und nach einer Ewigkeit schlechter Nachrichten zur Hypo Alpe Adria gab es letzte Woche endlich eine gute: Die Verkaufserlöse aus den Resten der Bank sind höher als erwartet.

Unter good news verbuchen darf man auch, dass der Bundespräsident die menschliche Größe hat, Fehler einzugestehen, speziell was seinen jenseitigen Vergleich des Kopftuchs mit dem Davidstern betraf.

Selbst im Sport gibt es Grund zu viel Jubel: Der Österreicher Dominic Thiem hat im Tennis den Weltranglistenersten geschlagen. Ein Oberösterreicher hat sensationell die erste Etappe des 100. Giro d'Italia gewonnen. Die U19 des FC Red Bull Salzburg siegte bei der UEFA Youth League. Österreich auf dem Weg zur Tennis-, Rad- und Fußballnation!?

Und manchmal gibt es einfach Tage, an denen man sich darauf besinnt, wie gut es ist, Österreicher zu sein: Vergangenen Mittwoch, am Tag der Pressefreiheit, sprach die Istanbuler TV-Journalistin Banu Güven im heimischen Parlament über Willkürakte gegen Medien in der Türkei. 163 Journalisten sind dort in Haft. Ja, wir Journalisten müssen weiterhin "bad news" bringen, auch aus Österreich. Aber der Weltuntergang kann noch ein wenig warten. In Wien findet er bekanntlich (so wie alles andere) ohnehin fünfzig Jahre später statt.