© KURIER

Leitartikel
10/27/2020

Das Lachen des Drachen

China ist deshalb der Krisengewinner, weil Europa und die USA von der Pandemie völlig unvorbereitet getroffen wurden.

von Wolfgang Unterhuber

In Europa und in den USA wütet derzeit die zweite Welle der Pandemie. Weil Politik und Bevölkerung dachten, dass alles nach der ersten Welle vorbei sei. Wirtschaftsforscher werden ihre Prognosen also nach unten revidieren müssen. Nicht so in China.

In der Vorwoche meldete die Statistikbehörde, dass die Wirtschaftsleistung des Landes im dritten Quartal um fast fünf Prozent gestiegen sei. Sofort wurden Zweifel laut, wonach die Zahlen geschönt seien. Doch ausländische Beobachter und Manager bestätigen, dass es im Land wieder aufwärtsgeht.

Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wird China heuer die einzige große Volkswirtschaft sein, die wachsen wird. Der chinesische Drache ist also wiedererwacht. Der Drache symbolisiert in China übrigens Reichtum und Glück. Den Erfolg in der Bekämpfung der Pandemie (mit Maßnahmen, die zum Teil ans Kriegsrecht erinnern) und die damit einhergehende rasche Erholung der Wirtschaft versucht das Regime in Peking natürlich für sich zu nützen.

So wird die Legende verbreitet, dass im Kampf gegen das Coronavirus so gut wie keine Fehler gemacht wurden. Das ist falsch. Vor allem in den ersten Wochen hat die kommunistische Staatsführung völlig versagt. Die zweite Legende ist die, dass das totalitäre System Chinas einmal mehr seine Überlegenheit gegenüber dem demokratischen System bewiesen habe. Auch das ist falsch. In den Demokratien Taiwan und Neuseeland gibt es ebenfalls derzeit so gut wie keine Neuinfektionen. Dass keines der beiden Länder ein vergleichbares Wirtschaftswachstum aufweist, liegt daran, dass sie stark auf den globalen Handel angewiesen sind – während China über einen Binnenmarkt von 1,4 Milliarden Menschen verfügt. Im Notfall kann China mit seinem Binnenmarkt übrigens auch ganz gut ohne die Welt auskommen, wie dies das Regime jetzt ja auch plant.

Aber ist China nun der Gewinner der Krise? Ja. Weil Europa und die USA von der Pandemie völlig überrascht wurden. Und das, weil die Politik seit SARS im Jahr 2003 in der Pandemie-Prävention vollkommen versagt hat. Taiwan hat hingegen gezeigt, wie Prävention geht. Das 23 Millionen Einwohner zählende Land hat über die Jahre medizinisches Material eingelagert und Notfälle geübt. Im Jänner wurden zwei Millionen Masken produziert, im April 20 Millionen. Täglich. Und seit Ausbruch der Pandemie werden alle technologischen Mittel genützt, um Neu-Infektionen sofort zu orten. Und Europa? Hier offenbarte das EU-Parlament dieser Tage einmal mehr, wie Europa tickt: So gab es eine wilde Debatte darüber, ob Veggie-Burger weiterhin Veggie-Burger heißen dürfen. Wer aufmerksam in die Welt horchte, konnte den chinesischen Drachen da laut lachen hören. Berichtet die Legende.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.