Martina Salomon

KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon

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Leitartikel
03/16/2020

Danke!

Jetzt ist es Zeit, aufeinander zu schauen, um diese Krisensituation gut zu überstehen.

von Martina Salomon

Es ist Zeit, Luft zu holen und einmal Danke zu sagen.

Danke an das medizinische Personal in den Spitälern und den Ordinationen, das die Stellung hält, obwohl es selbst Gefahr läuft, sich mit dem neuen Virus, gegen das es noch keine Impfung gibt, zu infizieren. Sie sind dieser Tage auch Hauptauskunftsperson für verunsicherte Patienten, die wissen möchten, ob ihr Infekt gefährlich ist und wie man sich gegen Ansteckung wappnet (Sozialkontakte vorübergehend eher meiden, maximale Hygiene, Hand-Desinfektion, keine Türschnallen berühren, bei Verdacht daheim bleiben). Danke an die Pflegenden, die in Heimen und in der häuslichen Betreuung jetzt schon Enormes leisten. Das wird jetzt noch schwieriger, weil es weniger (bis keine) Besuche bei Älteren geben muss. Ältere, speziell mit Vorerkrankungen, sind ja viel stärker durch das Virus gefährdet. Wobei eine Isolation daheim Depressionen und Aggressionen auslösen kann. Da werden in nächster Zeit wohl auch die Psychosozialen Dienste überaus gefordert sein!

Danke an die Angestellten in Supermärkten und Apotheken, die in den vergangenen Tagen einen Ansturm sondergleichen zu bewältigen hatten und dafür gesorgt haben, dass das nirgendwo eskaliert. Danke an die Zivildiener, die wegen möglicher Probleme im öffentlichen Leben jetzt länger dienen müssen. Sie werden einspringen, wenn zum Beispiel Grenzpendler in sozialen Berufen nicht mehr nach Österreich einreisen dürfen. Danke an das Bundesheer, dessen Miliz bereitsteht und dessen Rekruten jetzt ebenfalls länger im Dienst bleiben werden. Danke an die Polizisten, die in nächster Zeit freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen müssen, dass es verboten ist, Gruppen im öffentlichen Raum zu bilden – übrigens auch an Spiel- und Sportplätzen. Danke an die Eltern und Pädagogen, die die Kinder jetzt daheim oder in öffentlichen Einrichtungen betreuen. Wer selbst nie Kinder hatte, kann kaum ermessen, wie schwierig es ist, Kleinkinder wie Jugendliche über längere Zeit ohne große Abwechslung im Zaum zu halten.

Danke an unsere Volksvertreter, die Verantwortungsgefühl zeigen und gemeinsame Beschlüsse fassen, ohne dass jemand politisches Kleingeld daraus schlägt. Danke an die Landeshauptleute und Bürgermeister, die die Regierungsvorgaben mittragen, obwohl sie schwer unter Druck ihrer regionalen Wirtschaft stehen, in der viele Unternehmen um ihre Existenz und die ihrer Mitarbeiter zittern. Danke an Drucker, Zusteller und Trafikanten, die weiterhin dafür sorgen, dass Sie Ihre gedruckte Tageszeitung in Händen haben.

Danke an alle, die jetzt mitmenschlich reagieren und zum Beispiel älteren Nachbarn in der Umgebung helfen. Jetzt ist es Zeit, aufeinander zu schauen, um diese Krisensituation gut zu meistern.