© APA/AFP/GETTY IMAGES/Samuel Corum

Leitartikel
01/16/2021

Dank Biden: In drei Tagen eine bessere Welt

Der bisherige US-Präsident war der Inbegriff von Fehlentwicklungen. Mit „sleepy Joe“ kann man wieder besser schlafen

von Gert Korentschnig

Na, das wird ja noch was. Der Lockdown geht zumindest drei Wochen, bis inklusive 7. Februar, weiter – in einer „Hard“-Variante. Das kleine Virus hat sich auf XXL-Format aufgeblasen. Die Aufsperrdienste haben es echt schwer.

Noch so lange keine offenen Geschäfte, noch Wochen, wenn nicht sogar Monate, keine Restaurantbesuche, keine Live-Kultur, schon gar keine Reisen. Und dazu irgendwelche Mutationen, die sich rascher ausbreiten, als wir eine Maske aufsetzen können – kein Wunder, dass sie im Abwasser, also auch in der Klospülung nachgewiesen wurden. Es reicht.

Umso mehr brauchen wir – also die Mitglieder der Gesellschaft, weil es das gemeinsame Wir längst nicht mehr gibt – das Einende, das Verbindende, das klare Ziele Vermittelnde, das Konstruktive und Versöhnliche, das das andere nicht ausschließt, sondern inkludiert. Womit wir bei Joe Biden wären. Zumindest im Kopf kann man ja noch von Österreich in die USA fliegen.

In drei Tagen wird er als 46. Präsident der USA angelobt. Er wird in vielen Bereich scheitern, wie auch sein Vorvorgänger Barack Obama gescheitert ist. Er wird merken (oder weiß es wohl schon längst), dass es Jobs gibt, die so groß sind, dass man überhaupt nur scheitern kann. Die Inauguration, für die so viele Narren, Irrläufer und Überzeugungstäter mobil machen, wird einen Vorgeschmack darauf bringen. Aber eines ist klar: Die Welt wird ab diesem Zeitpunkt eine bessere. Und nun komme niemand damit, dass sein Vorgänger eh nicht alles falsch gemacht habe und Biden nur ein „sleepy Joe“ sei. Arnold Schwarzenegger hat auf diesen Vorwurf richtig geantwortet: Zum Glück ist er das, nun kann man wieder ruhiger schlafen.

Belege für die These einer besseren Welt gefällig? Allein der sofortige Beitritt zum Pariser Klimaabkommen sollte dafür reichen. Oder der Wille, die Pandemie zu besiegen, statt sich lange (wie sein Vorgänger) mit Maskenverweigerern oder Q-affinen Geweihträgern zu solidarisieren.

Zuletzt gab es einen Ego-Fetischisten im Weißen Haus, der alles nur in Hinblick auf den eigenen Nutzen sah. Biden selbst muss gar kein Altruist sein, um die Lage zu verbessern. Vier Jahre lang wurde Lobby-Politik gemacht, ob für die Waffenindustrie im Speziellen oder den weißen Mann im Allgemeinen. Biden hingegen hat schon bei der Zusammensetzung seines Kabinetts gezeigt, dass er Diversität als Stärke betrachtet. Sein Vorgänger hat Kleinkriege gesucht, täglich auf Twitter. Biden scheint um Versöhnlichkeit bemüht und strahlt Großzügigkeit aus – auch als gläubiger Katholik.

Schon möglich, dass sich all diese Mutmaßungen als Gutmenschen-Naivität entpuppen. Aber Politik ist zunächst einmal ein Spielbrett für Signale. Und wenn in einer Werte-, Wirtschafts- und Virenkrise die richtigen kommen, hören vielleicht ein paar zu, auch in anderen Ländern.

korentschnig.jpg
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.