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Meinung
11/08/2021

Covid: Wenn alle in den Lockdown müssten

3-G und 2-G haben im Parlament keine amtliche Gültigkeit. Zugleich geistert das Gespenst vom einem "vielleicht kurzen regionalen Lockdown für alle" herum.

von Wolfgang Unterhuber

Vor dem Gesetz sind alle gleich. Manche sind aber gleicher. Nämlich diejenigen, die die Gesetze machen. So genießen unsere gewählten Mandatare Freiheiten, die mit Begriffen wie „Freies Mandat“, „Passives Wahlrecht“ oder „Immunität“ klar definiert sind.

In der Praxis sieht das so aus, dass zum Beispiel im Parlament ein ungeimpfter Abgeordneter nicht einmal bestraft wird, wenn er zudem keine Maske trägt. Sein Büroteam aber unterliegt der 3-G-Regel am Arbeitsplatz. Das ist durch die Haus- bzw. Geschäftsordnung gedeckt.

Theoretisch könnten ÖVP, Grüne und SPÖ unter dem Motto „Wo ein Wille, da ein Weg“ das ganz schnell ohne die  Kickl-FPÖ ändern. Weil sie nämlich die dafür notwendige Verfassungsmehrheit haben. Tatsächlich gab es den Plan, im Hohen Haus Maskenverweigerern unter den Abgeordneten eine Geldbuße aufzubrummen.

Nicht gerade wow, aber immerhin. Trotzdem haben sich die beiden Regierungsparteien und die SPÖ da irgendwie verheddert. Zu kompliziert wahrscheinlich. So ist das Parlament für unsere Abgeordneten laut bestehender Geschäftsordnung also eine Zone, in der Covid eigentlich gar nicht existiert. Vorbildwirkung für die Bevölkerung: katastrophal.

Manche sind eben gleicher als gleich. Nicht gleicher sind die Unternehmer und ihre Beschäftigten. Die verschärften Covid-Maßnahmen am Arbeitsplatz (3-G-Pflicht) stellen für viele Betriebe eine Zerreißprobe dar, wie es sie noch nie gegeben hat, sagt der Arbeitspsychologe Andreas Hermann. Bereichert wird das Ganze jetzt  mit dem 2-G-Reglement.

Damit wir uns hier richtig verstehen: All diese Maßnahmen sind notwendig. Nur vielleicht etwas unkoordiniert und in der Hektik nicht ganz zu Ende gedacht. 

Denn Unternehmer und/oder ihre Angestellten zu Multi-G-Covid-Blockwarten zu degradieren, ist nicht zwingend ein kreativer Ansatz. Mit einer Impfpflicht wie einst gegen die Pocken wäre das kein Thema. So wie derzeit aber ist die psychologische Wirkung in vielen Firmen: katastrophal. 

Wenigstens kann man sich als Geimpfter oder Genesener etwas gleicher als gleich fühlen.  Man genießt in seiner Freizeit Freiheiten, die mit Begriffen wie 3-G und 2-G relativ klar definiert sind. Wenn aber 3-G und 2-G nicht greifen, dann könnte bald der Fall eintreten, dass ein „Lockdown für alle – aber eh nur kurz und regional“ - droht.

Dieses Szenario geistert nämlich seit einigen Tagen unterirdisch in der Polit- und Expertenszene herum.  Sagen wir es klar und deutlich: Wenn auch nur ein Geimpfter oder ein Genesener in irgendeinen Lockdown muss, dann wären alle Geimpften und Genesenen ziemlich gleich ang’fressen. Und die Wirkung wäre: katastrophal.

 

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