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Leitartikel
12/17/2021

Covid: Nicht alle Impfskeptiker in einen Topf werfen

Es gibt Impfgegner, die einfach nur Angst vor möglichen (Langzeit-)Folgen der Impfung haben. Diesen Menschen sollte man zuhören.

von Wolfgang Unterhuber

So wie einander derzeit Impfgegner und Impfbefürworter gegenüberstehen, kommen wir nicht weiter. In einer modernen liberalen Gesellschaft darf man Menschen nicht ausgrenzen.

Das ist nicht immer leicht, aber notwendig. „Das Vertrauen muss wiederhergestellt werden. Sie werden die Menschen nie zu etwas zwingen können“, sagt etwa Heimo Scheuch, der als Chef des Weltkonzerns Wienerberger gerne über den Tellerrand hinausblickt.

Solche Worte stoßen derzeit da wie dort auf taube Ohren. Aber wenn wir eine offene liberale Gesellschaft sein wollen, müssen wir aufeinander zugehen. Impfbefürworter und Impfskeptiker.

Damit das klar ist: Null Toleranz für jene, die Polizisten attackieren, Ärzte oder Bürgermeister mit Mord bedrohen oder so wie diverse FPÖ-Politiker einfach Falschmeldungen verbreiten.

Hier muss es klare Kante geben. Wir müssen aber auch sehen, dass die Gruppe der Nicht-Geimpften sehr heterogen ist. Diese besteht bei Weitem nicht nur aus radikalen Elementen.

Sehr viele Menschen haben schlicht und ergreifend einfach nur Angst vor den möglichen (Langzeit-)Folgen
der Impfung. Oder sie vertrauen mehr den Heilkräften der Natur als der Wissenschaft.

Das mag man lächerlich oder gar entsetzlich finden. Aber diese Haltung ist arrogant. Und mit Arroganz wird man die Impfskeptiker nicht abholen.

Verständlich ist auch, dass den Geimpften mittlerweile das G’impfte aufgeht. Wozu all die Booster, wenn man dann trotzdem wegen der Ungeimpften im Lockdown sitzt?

Oder wenn die Impfung dann gegen Omikron doch nur sehr bescheiden oder gar nicht hilft?

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ohne Impfung stünde die Menschheit gesellschaftspolitisch und ökonomisch am Abgrund. Aber wenn die Menschen auf beiden Seiten nicht nach dem Prinzip der Vernunft aufeinander zugehen, stehen wir bald auch ohne Covid dort.

Die Verschwörungstheoretiker wird man nie überzeugen können. (Oder vielleicht doch?) Aber Menschen mit Ängsten und Vorbehalten vor der Impfung muss man ohne Hochnäsigkeit und Besserwisserei begegnen.

Und auch klar sagen, dass die Impfung die Pandemie eben nicht in Nullkommanix besiegen wird, dass Geimpfte das Virus auch übertragen können und dass man trotz einer Impfung mit einer sehr sehr sehr geringen Wahrscheinlichkeit damit sogar auf der „Intensiv“ landen kann.

Aber es gibt zur Impfung eben keine Alternative. Denn wir werden mit Covid dauerhaft leben lernen müssen, samt regelmäßiger Auffrischungsimpfung gegen neue Mutationen.

Das Wichtigste aber: Nicht alle Impfskeptiker in einen Topf werfen. Zuhören und ohne Überheblichkeit überzeugen versuchen. So wie in einer modernen liberalen Gesellschaft halt.

 

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