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Leitartikel
12/17/2020

Corona-Regime: Da ist der Wurm drinnen

Das Agieren der Regierung in Sachen Corona wird zunehmend kontraproduktiv – und fügt sich in ein größeres Bild.

von Rudolf Mitlöhner

Man kann eh mit (fast) allem leben. Sperrt das Land zu, fahrt alles runter, macht alles dicht. Im Zweifel auf Nummer sicher zu gehen, ist auch ein ehrenwertes Prinzip der traditionellen Ethik: der sogenannte „Tutiorismus“ (lat. tutior = sichererer).

Oder man entscheidet sich für eine lockerere Gangart: basierend auf einer Abwägung der Corona- mit den vielfältigen Kollateralschäden sowie auf der Einschätzung, dass das Virus nie mehr ganz verschwinden wird, wir also damit leben werden müssen. Wozu dann die Einsicht kommen müsste, dass ein permanenter Lockdown nicht der dem Menschen angemessene Zustand ist.

Womit man aber nicht leben kann: mit ständig wechselnden Regeln, mit dem Wust an Spekulationen, Ankündigungen, Erklärungen, mit einer Politkommunikation, die Transparenz verspricht und das Gegenteil bewirkt. Und die doch immer den schalen Beigeschmack einer großen Inszenierung hinterlässt (auch wenn klar ist, dass Politik immer auch Politainment ist).

Was weiß man heute, was man vor ein paar Tagen, als zuletzt ein neues Reglement verkündet wurde, noch nicht gewusst hat, sodass jetzt sechs Tage vor Weihnachten wiederum ein Auftritt des Quartetto coronale geboten scheint?

Kein Mensch jenseits der hauptberuflich damit Befassten kennt sich mehr aus, was gerade gilt. Schlimmer noch: Kaum wer versteht, warum wann welche Maßnahmen gesetzt oder gelockert werden. Vom Ostererlass bis zur Weihnachtsverordnung spannt sich ein wenig glanzvoller politliturgischer Bogen. Spätestens seit dem Chaos um Privat-/Innen-/Wohnräume, die mit/ohne Masken mit soundsoviel Menschen aus soundsoviel Haushalten an diesen und jenen Tagen (nicht) bespielt werden dürfen, ist da der Wurm drinnen. Das Ganze taugt nur noch als Stoff für Häme, Spott und Scherze in den sozialen Medien, wo das Bizarre der gegenwärtigen Situation entsprechend zugespitzt wird.

Zum Lachen ist die Sache dennoch nicht – Besonnenheit und Ernsthaftigkeit täten not. Doch die Performance der Regierung untergräbt diese tendenziell. Stattdessen wird auch in puncto Corona, gerade für die kommenden Weihnachtstage, das Prinzip des „Alten Fritz“ (Friedrich II. von Preußen, 1712–1786) um sich greifen: jeder nach seiner Façon. Keine guten Aussichten.

Leider, man muss es sagen, fügt sich das in ein größeres Bild. Auch bei dem gewaltigen Themenkomplex Migration/Integration/Terror/Islam(ismus) wirkt die Regierung alles andere als trittsicher. Wer den jämmerlichen ZiB 2-Auftritt der Integrations- und Kultusministerin gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist. Schaut so das Beste aus beiden Welten aus? Aber das ist eine andere Geschichte. Oder auch nicht.

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